Frieden ist geil
Frieden ist geil

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HUMANISMUS UND FRIEDEN

 

DER SÜNDENFALL DES KRIEGES UND DER AUSWEG IN DEN FRIEDEN

 

Ist Frieden möglich? Und ich meine den TOTALEN FRIEDEN. Den totalen Krieg kennen wir aus der Geschichte in all seinen Ausprägungen. Es ist der kompromisslose Kampf zweier oder mehrerer unversöhnlicher Parteien. Gibt es also das diametrale Gegenteil dazu, also den totalen und kompromisslosen Frieden? 

 

Wie sieht dieser Friede aus? Welche Formen sozialer Organisation sind nötig, um den totalen Frieden ausrufen zu können? Ist eine solche Ausrufung überhaupt möglich - wenigstens in der allerkühnsten Vorstellung?

 

Für die Planung und Organisation eines Krieges gibt es Fachleute, Generäle, Wissenschaftler, Staatschefs und Minister. Sie planen die Zerstörung, das Leid und den Tod ganzer Völker und sie bekommen viel Geld dafür, dass sie es zu kontrollieren und zu steuern versuchen. Sie scheitern immer wieder grandios, weil sich Krieg nicht steuern oder kontrollieren lässt. Es werden Konventionen erarbeitet und verabschiedet, die dem Krieg etwas von seiner Grausamkeit nehmen sollen. Damit wird Humanität ad absurdum geführt und der Krieg in seiner Unmenschlichkeit wird auf die Spitze der Perversion getrieben. 

 

Konventionen sind dazu da, das Denken überflüssig zu machen. Wenn wir jedoch den Inhalt all der Konventionen ernst nehmen und wieder lernen, selbstständig und unabhängig von den Obrigkeiten und von der ach so klugen selbsternannten Elite zu denken und mitzufühlen, werden die Konventionen selbst überflüssig.

 

Dieser Blog soll jedem, der selbstständig denken kann, einen Anstoß geben, die Realität zu reflektieren, auch wenn es weh tut. 

Es kommt mir darauf an, den Humanismus als das darzustellen, was er in seiner Essenz ausschließlich ist und auf ewig sein muss, ein Ausdruck bedingungslosen Friedens. Der Humanismus stellt den Menschen in den Vordergrund jeglichen Denkens und Handelns. Er ist somit keine festgelegte Doktrin, kein unumstößliches Gesetzeswerk. 

 

Frieden ist die Voraussetzung für lebendigen Humanismus. Humanismus selbst ist wiederum die Voraussetzung für selbstverständlichen Frieden.

 

Krieg braucht den Lärm, das Geschrei, die Beschwörung. Er braucht Lieder, Parolen und schließlich braucht er Abhängigkeit und Hierarchie. Frieden dagegen braucht nur den offenen Blick auf die Welt und den Blick in sich hinein für jeden Einzelnen von uns. Krieg ist laut, Frieden ist ruhig. Krieg ist fanatisch, Frieden ist gelassen.Krieg ist egoistisch, Frieden ist einfühlend und mitfühlend. Der Augenblick, in dem der Humanismus die Mittel des Krieges nutzt, zerstört er die Freiheit und letztlich die Menschlichkeit. Humanismus ist bescheiden.

 

 

 

 

10. Januar 1019

 

"Wer eine Blume mag, pflückt sie und trägt sie nach Hause.

Wer aber eine Blume liebt, lässt sie stehen, damit sich viele Menschen an ihr erfreuen können."

 

Diese Weisheit des Buddha zeigt auf wunderbare Weise die tiefe Bedeutung von Liebe. Liebe bedeutet Respekt, Demut, Dankbarkeit. Begehren dagegen bedeutet Fordern, Haben-Wollen. Worauf gründet der Frieden? Baut er auf Demut, oder auf Hochmut? Nimmt er dankbar an, oder fordert er noch mehr? Zeigt er Respekt, oder wertet er am Maßstab eigener Überheblichkeit?

 

Liebe bindet nicht, sie ver-bindet.

Liebe zwingt nicht, sie lässt.

Liebe fordert nicht, sie gibt.

Liebe wertet nicht, sie erkennt.

 

Wenn wir lernen, uns zu verbinden, loszulassen, zu geben und zu schauen, um zu erkennen, dann lernen wir nach und nach zu Sein. Der Mensch ist, was er ist. Er ist Sein. Wer Sein will, verliert sich im Wollen. Im Sein erschließt sich der Frieden.

 

Wenn ich bin, statt Sein zu wollen, höre ich auf zu Wünschen und zu Fordern und beginne zu lieben. Und in mir herrscht Frieden.

 

 

 

18. November 2018

 

Heute ist Volkstrauertag, wie jedes Jahr seit 1950. Ein Volk trauert an diesem Tag. Und was macht es an den übrigen 364 Tagen?

 

Wir gedenken der Opfer von Krieg und Faschismus. Aber wir dürfen nicht vergessen, woraus Krieg und Faschismus entstanden sind. Sie sind entstanden aus dem Bewusstsein der Unterschiede zwischen Völkern, Kulturen und Religionen. Der Wille zur Einheit ist dem Zwang zur Vereinheitlichung gewichen. Aber Vereinheitlichung führt zwangsläufig zur Abschottung, weil sich viele unterschiedliche Weltanschauungen und Gepflogenheiten nunmal nicht vereinheitlichen lassen. Einheit bedeutet Toleranz Im Bekenntnis zu den Unterschieden. Einheit setzt Neugier voraus und die Bereitschaft, auch die Unvereinbarkeit zu ertragen. Die eigentliche Faszination liegt ja nicht in den Gemeinsamkeiten, in den vollkommenen Übereinstimmungen, sondern in den Ähnlichkeiten, in der Nähe, die allzu oft nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

 

Offenheit bedeutet Leben und stetige Erneuerung. Abschottung dagegen führt zu Fäulnis und Zerfall. Wir sind dabei, von innen heraus zu vergammeln, wenn wir uns nicht öffnen. Neugier und Offenheit bedeuten, in den Unterschieden das Verbindende zu erkennen.

 

Was tun wir ab morgen? Sorgen wir dafür, dass wir in 365 Tagen wieder etwas zu betrauern haben, oder tragen wir endgülig unseren nationalen Größenwahn, unsere kulturelle Eitelkeit und unsere grenzenlose Dummheit zu Grabe?

 

Ich bin bereit, auf diesem Grab zu tanzen. Trauern werde ich nicht.

 

 

 

28, Oktober 2018

 

Die Welt brennt an allen Ecken und ich schreibe über den Frieden. Und es gibt Zeiten, da weiß ich einfach nicht, was ich schreiben soll.

 

Wir leben im sogenannten christlichen Abendland. Wenn ich es so betrachte, herrscht tatsächlich tiefe Nacht. In Amerika dringt ein Mann in eine Synagoge ein und tötet wahllos Gläubige aus reinem Judenhass. Der Präsident bestreitet natürlich, das das vergiftete Klima im Land und das völlig irrsinnige Waffengesetz eine Rolle spielen könnten. Bei alledem berufen sie sich immer wieder auf ihre Religion. Aber was für eine Religion ist das, in deren Namen Menschen ausgegrenzt, verfolgt und getötet werden, weil der eigene Gott angeblich der einzig wahre ist. Gibt es eine Religion, die sich dem entgegenstellt? Es fällt mit schwer, diese Frage mit Ja zu beantworten. 

 

Vielleicht wäre es ein erster Schritt, die Religion außen vor zu lassen, wenn wir unsere kleinen und großen Kriege führen. Es wird höchste Zeit für diesen Offenbarungseid.

 

 

 

29. August 2018

 

Ich bin wütend und unendlich traurig und ratlos, wenn ich sehe, was in Dresden, Chemnitz und anderswo gerade passiert. Es wird Jagd auf Menschen gemacht. Menschen werden am hellichten Tag von einem völlig entfesselten Mob durch die Innenstadt gehetzt, weil sie anders aussehen und anders denken, als es irgendwelchen hirnverbrannten Vollidioten gefällt.

 

Da sind Bürger*innen, die einem Flüchtling das Schwarze unter dem Fingernagel nicht gönnen. Da sind Leute, die behaupten, Flüchtlinge würden uns ausbeuten. Ich möchte nicht wissen, wieviele von diesen Neidhammeln selbst seit Jahren als Sozialschmarotzer gut leben und nebenbei schwarz arbeiten.

 

Da sind Leute, die mit erfundenen Horrorgeschichten, mit gefälschten "Nachrichten" und plumpen Lügen Stimmung gegen Ausländer machen. Ich möchte nicht wissen, wieviele von diesen "guten Deutschen", im Suff fremde Frauen belästigen, ihre Frauen schlagen und ihre Kinder misshandeln.

 

Da sind Frauen und Männer, die sich Christen nennen, die "das christliche Abendland verteidigen" wollen, aber von den 10 Geboten offenbar noch nichts gehört haben. Sie alle halten sich für die Guten und beschimpfen Andere als "Gutmenschen".

 

Lasst Euch nicht den Frieden ausreden! Lasst Euch nicht einreden, naiv zu sein! Es ist nicht falsch, zu helfen. Es ist nicht falsch, erst mal das Gute zu unterstellen. Natürlich ist es ein Fehler zu glauben, es gäbe keine Gewalt unter den Flüchtlingen und Zuwanderern. Und es ist scheinheilig, öffentlichkeitswirksam Gutes zu tun, während man sich hinter verschlossenen Türen aufführt, wie die letzte Wildsau. Aber ist es falsch, sich daran zu erinnern, was es bedeutet, Mensch zu sein? Es ist doch letztlich völlig egal, ob wir von Gott, Jahwe oder Allah erschaffen wurden, oder ob wir ein staubiger Abfall aus einem kosmischen Verkehrsunfall sind. Und es ist völlig unerheblich, ob wir in Deutschland, Italien, Bangladesh oder sonstwo geboren wurden. 

 

EIN MENSCH IST EIN MENSCH IST EIN MENSCH!!!

 

Mein Name ist Mensch!

Meine Nationalität ist Erde!

Mein Glaube ist Liebe!

 

So habe ich es kürzlich gelesen. Und es ist wahr. Es ist so einfach. Und es ist bestürzend und beschämend, wie schwer es offensichtlich vielen Menschen fällt, diese unfassbar banale Wahrheit zu begreifen.

 

 

 

7. August 2018

 

Ich habe einen Traum ...

 

In Sloweniens Hauptstadt Ljubljana wurden gestern 23 Stolpersteine verlegt. Damit ist Slowenien das 23. Land, in dem diese Aktion des Künstlers Gunter Demnig ihren Niederschlag findet.

 

Mit der Aktion "Stolpersteine" soll an von den Nazis und ihren Helfern ermordete Menschen jüdischen Glaubens erinnert werden. Die Gedenksteine mit den eingravierten Namen werden vor den Häusern verlegt, in denen diese Menschen bis zu ihrer Deportation gelebt hatten.

 

Allein die Zahl der teilnehmenden Nationen zeigt die erschütternde Dimension dessen, was zwischen 1933 und 1945 von deutschem Boden und vom deutschen Volk ausgehend in ganz Europa geschehen ist. Es ist auch in Ländern geschehen, in denen Jüdinnen und Juden Schutz vor dem deutschen Vernichtungswahn gesucht hatten. 23 Staaten, 23 Völker, in denen sich Menschen an diesem irrsinnigen Versuch der systematischen Ausrottung einer riesigen ethnisch-religiösen Gruppe beteiligten, stellen sich ihrer Geschichte. Sie waren vordergründig Opfer einer Eroberungs- und Vernichtungsmaschine. Aber sie haben in Teilen auch kollaboriert, weil es dort, wie auch hierzulande, zu allen Zeiten Antisemitismus, Rassismus und religiöse Intoleranz gab und gibt. 

 

In 23 Ländern wird die Erinnerung an die millionenfachen Verbrechen wach gehalten, aber vor allem wird an die Opfer erinnert, welche Mitbürger*innen, Nachbar*innen, Kolleg*innen, Freund*innen - und über alledem Menschen waren.

 

Ich wünsche mir, dass der Tag kommt, an dem vor jedem Haus, in den und aus dem heraus ein Mensch vergewaltigt, ermordet, deportiert oder auch nur vertrieben wurde, ein Stolperstein liegt, der an diesen Menschen, an seine Existenz erinnert. Und ich wünsche mir, dass nicht mehr die Verlegung eines Stolpersteins eine Nachricht wert ist, sondern die Weigerung, der Vorbehalt und die immer wieder vorgebrachten und ebenso absurden, wie erbärmlichen Ausreden gegen das Gedenken, gegen die Scham und gegen die Trauer.

 

Und schließlich wünsche ich mir, dass irgendwann der letzte Stolperstein verlegt wird, weil es keine Vertreibung, keinen Genozid, keine ethnische Säuberung und keinen ideologisch oder religiös verbrämten Massenmord mehr gibt.

 

Ich habe einen Traum.

 

 

 

31. Juli 2018

 

Ganz Deutschland und einige Nachbarländer stöhnen derzeit unter einer Hitzewelle. Die Landwirte klagen über Ernteausfälle. Großbrände vernichten Wälder, Häuser, ganze Ortschaften. Flüsse und Seen kippen um und in einigen Gegenden könnte es zu einer massiven Verknappung unserer wichtigsten Ressource kommen. 

 

Europa erlebt seit drei Jahren einen Zulauf von Flüchtlingen in einem bis dato nicht gekannten Ausmaß. Viele von ihnen sind sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge.

 

Ein multinationaler Wirtschaftskrake mit Hauptsitz in der Schweiz ist gerade dabei, in Afrika die Rechte an der Gewinnung von Wasser für sich zu sichern. Damit müssen im Endeffekt die Bewohner der Dörfer und Städte das Wasser aus ihren Brunnen, das sie bisher selbst gefördert haben, von einem ausländischen Konzern kaufen. Das Leben spendende Element, ohne das es auf der Erde kein Leben gäbe, wird zur Ware, zum Spekulationsobjekt, zum Handelsgut herabgewürdigt und den Menschen wird das Grundrecht auf die Nutzung dieses wichtigsten Lebensmittels abgesprochen.

 

Was haben diese drei Vorgänge miteinander zu tun? Nicht wenige sehen wahrscheinlich überhaupt keine Verbindung. Dabei liegt der Zusammenhang auf der Hand.

 

Es herrscht Krieg!

 

Dieser Krieg tobt schon seit Jahrhunderten an wechselnden Schauplätzen. Die Gegner sind scheinbar immer wieder Andere. Leidtragende sind Menschen, Tiere und die Natur. Es ist der Krieg des Menschen gegen die Erde, die er sich mit maßloser Brutalität untertan gemacht hat. Er hat die Erde mit all ihren Schätzen selbstherrlich zu seinem Besitz erklärt und damit von vornherein die Grundlage für Verteilungs- und Konkurrenzkämpfe gelegt und eine Spirale der Zerstörung in Gang gesetzt, deren bisherige Auswirkungen wohl nicht mehr zu beheben sind. Ganze Völker wurden zu Leibeigenen und Arbeitstieren degradiert von Mächten, die sich ihren vermeintlichen Besitz mit Gewalt nahmen und mit noch größerer Gewalt verteidigten und bis heute verteidigen. Von der Gier nach Reichtum und immer noch mehr Gewinn geblendet und verroht hat er die, die das Land und seine Schätze verehrt und mit Demut und Respekt behandelt haben, erniedrigt und versklavt. Auch wenn es heute offiziell keine Sklaverei mehr gibt, bestimmen nach wie vor reiche Länder mit politischen und militärischen Mitteln über die, die auf diesen Schätzen leben und die in diesem Kampf hoffnungslos unterlegen sind. 

 

Der Mensch ringt der Erde die letzten Ressourcen ab und fügt ihr dabei immer tiefere Wunden zu, die er rücksichts- und gedankenlos verschmutzt und infiziert und die sich längst entzündet haben. Er behandelt das hohe Fieber wie eine kleine Erkältung und sieht zu, wie immer größere Gebiete absterben. Ich würde das Verhalten der Menschen, wie sie dem Sterben ganzer Kontinente zuschauen, mit Nekrophilie vergleichen.

 

Die langfristigen Folgen dieses Krieges sind unabsehbar. Fest steht aber, dass Menschen, die vor dem klimatischen, ökologischen und ökonomischen Overkill fliehen und da Schutz suchen, wo sie sich am sichersten wähnen, sind in letzter Konsequenz definitiv Kriegsflüchtlinge. Ihre schiere Zahl wird immer größer. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch wir uns auf den Weg ins Ungewisse machen müssen. Und es wird immer enger.

 

Dass die Flüchtenden am Ende logischerweise auch wieder bei denen landen, die für dieses Elend verantwortlich sind und immer noch davon profitieren, macht es nur noch grausamer.

 

 

 

26. Juli 2017

 

Wir brauchen Frieden. Wir alle wollen ihn und wir alle fordern ihn. Aber fördern wir ihn auch?

 

Woher kommt der Friede? Kommt er aus der Angst vor den Waffen der Gegner, die den eigenen Waffen überlegen sein könnten? Ist Friede also letztlich oft nur der Unwille zum Kampf und zum Krieg? Es ist wohl das größte Missverständnis, zu glauben, man müsse nur so lange um die Wette zu rüsten, bis Einer von Beiden nachgibt.

 

Ein angstgemästeter Friede ist nicht mehr als ein beiderseits abwartender und lauernder Waffenstillstand, um bei der nächstpassenden Gelegenheit zum Schlag auszuholen. Wirklicher Friede im Äußeren liegt im Inneren begründet. Er wurde uns quasi in die Seele graviert. Wir aber haben diese Gravur verhängt mit unserem Intellekt, der dem Nachbarn, dem Kollegen, dem Partner oder dem anderen Volk all das unterstellt, was er an sich selbst nicht mehr bekämpfen will.

 

Wirklicher Friede kommt aus der Tiefe unseres Selbst, unserer Seele, aus der Sehnsucht unseres Herzens nach nichts anderem mehr, als dem bloßen, dem unbelasteten und wunschlosen Sein. Es fordert nichts, es missgönnt nichts und es verachtet nichts. Es gibt und lässt es im selben Augenblick los.

 

 Wer fordert, misst nach dem vermeintlichen Wert. Wer missgönnt, setzt den Keim für Heuchelei und Intrigen. Wer verachtet, setzt sich und seinen Wert über den des Anderen. 

 

Wir wollen besser sein, als die Anderen, weil wir Angst haben, nicht gut genug zu sein. Wir stellen uns über Andere und Andere stellen sich über uns. Jeder will oben stehen. Der Friede wird durch Angst und ein bisschen auch durch Vernunft gehalten. Der Krieg liegt verborgen bereit und wartet nur darauf, dass eine Partei sich dem Größenwahn ergibt.

 

Friede kann nur dann bestehen, wenn Jeder sich bewusst ist, dass er selbst diesen Frieden in der reinsten und unschuldigsten Form in sich trägt. Es ist nicht naiv, ihn verwirklichen zu wollen. Es ist gegen unseren innersten Wesenskern, gegen den Schöpfungsplan, wenn wir uns ihm verweigern. 

 

 

 

14. Mai 2018

 

Die Aufrüstung der (vorerst nur) bayerischen Polizei zur paramilitärischen Eingreiftruppe zeigt einmal mehr die Unfähigkeit und das völlige Unverständnis der politischen Führung für die gesellschaftliche, politische und weltanschauliche Entwicklung in unserem Land. Das Festhalten an überkommenen Traditionen zeigt aber auch die Hilflosigkeit großer Teile der Bevölkerung, mit den sich ergebenden Veränderungen richtig umzugehen.

 

Unser gesamtes Lebensumfeld verändert sich rasant und es ist keineswegs eine lineare, sondern eine exponentielle Entwicklung. Diese Entwicklung entsteht aus der Bevölkerung heraus, indem eine kreative Elite die gesamte Infrastruktur immer wieder an ihre Grenzen bringt. Dies führt dazu, dass immer mehr Menschen nicht mehr Schritt halten können und quasi abgehängt werden oder sich zumindest so fühlen. Dieses ofmals nicht einmal wirklich greifbare Gefühl von Unsicherheit schafft ein Vakuum, das sich nur schwer ausfüllen lässt. Hinzu kommt, dass sich unsere Gesellschaft nicht nur hinsichtlich ihrer Infrastruktur verändert, sondern vielmehr noch in ihrer kulturellen und weltanschaulichen Grundstruktur. Der eingespielte und leidlich aufrechterhaltene Konsens kollidiert mit der sich verändernden Realität. Die fehlenden Narrative führen letztlich dazu, dass wir unsree Urängste intellektuell immer weniger beherrschen können. Die Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten, dem nicht Durchschaubaren gehört zu den ältesten Mechanismen in unserem Gehirn. Wir können diese Sicherungsdateien in unserem genetischen Betriebssystem nicht abschalten, wir können nur immer wieder auf's Neue lernen, die darauf aufgebauten Programme zu beherrschen. Dies wird jedoch aufgrund der immer rasanteren Entwicklung immer schwieriger.

 

Die Reaktion der Politik und der Sicherheitsbehörden ist grundfalsch, weil sie das alles überhaupt nicht erfasst, geschweige denn berücksichtigt. Wir brauchen nicht noch mehr Sicherheit, noch mehr Überwachung, noch mehr Misstrauen. Was wir brauchen, ist Vertrauen in unsere Fähigkeiten.

 

Wir sind nicht die Kaninchen vor der Schlangengrube, wir sind Menschen unter Menschen. Wir sollen auch nicht wie kleine Kinder auf jeden Fremden zugehen und ihm all unsere Türen und Schubladen öffnen, ehe wir wissen, wer er ist. Am allerwenigsten aber dürfen wir zulassen, dass wir vor lauter Angst vor Extremisten selbst zu solchen werden. Und genau deshalb dürfen wir dies auch unseren Führern nicht erlauben.

 

 

 

13. Mai 2018

 

Ich frage mich einmal mehr, was Donald Trump umtreibt, dass er nun auch das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigt. Ist es sein völliges Unverständnis für weltpolitische Zusammenhänge und internationale Diplomatie, oder ist es sein Wahn, die Welt nach seinem Bild von Richtig und Falsch zu ordnen?

 

Er hängt ganz offensichtlich dem überkommenen Bild von der großartigen und alles überstrahlenden Nation Amerika nach, das längst zu einem Gemälde geworden ist, unter dessen dicker Patina die einst plastische Darstellung bestenfalls noch schemenhaft erscheint. Die USA stehen seit jeher für Weltoffenheit und Freiheit. Die lebendige Willkommenskultur, die Millionen von Menschen aus Europa, Asien und Südamerika sowie unzähligen Menschen jüdischen Glaubens eine neue Existenz ermöglicht hat, wird von ihrem Präsidenten komplett pervertiert. Der brutale Rassismus, der von Anfang an herrschte und der mühsam und unter unermesslichen Opfern wenigstens aufgeweicht werden konnte, feiert indessen unter Trump seine endgültige Auferstehung. Einer der höchsten Leitgedanken, der auf der Freiheitsstatue im Hafen von New York City eingeprägt ist, wird tagtäglich mit Füßen getreten. Die kulturelle Vielfalt, die auch in den USA nie wirklich in den Köpfen und Herzen angekommen ist, wird nun endgültig in die Tonne getreten. Der Islam soll als das Böse schlechthin bekämpft und unterdrückt werden. Dazu gehört eben auch der Kampf gegen alle islamischen Staaten, jedenfalls gegen die, die keine wirtschaftlichen Interessen Amerikas bedienen. Saudi-Arabien beispielsweise kann sich also bis auf weiteres noch in Sicherheit wiegen. Aber wenn in Washington weiterhin Männer vom Schlage eines Donald Trump regieren und wenn die Angst vor dem Islam sich weiterhin immer mehr zur Besessenheit auswächst, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch das wahabistische Regime in Riad auf die Liste der "Schurkenstaaten" gerät.

 

Es ist offenbar die geradezu monströse Hybris eines Donald Trump - und wohl auch weiter Teile der amerikanischen Bevölkerung, dass sie im besten, großartigsten und schönsten Land der Erde leben, die die dortige Regierung, egal unter welcher Führung, immer wieder dazu treibt, Kriege anzuzetteln und zu schüren, anstatt in einem Dialog zu bleiben, der auf wirtschaftlicher, wie auch auf zuvilgesellschaftlicher Basis für Ausgleich und Austausch sorgt. Ich verstehe nicht, warum diese sogenannten "Führer der freien Welt" nicht begreifen, dass sowohl die geopolitischen, als auch die geoökonomischen Interessen aller dieser Nationen nur mit Diplomatie und fairem Handel zu erfüllen sind. Noch weniger kann ich nachvollziehen, dass Europa es nicht schafft, sich aus der Umarmung des großen Bruders zu lösen. 

 

Wenn der König wahnsinnig geworden ist, sind die Narren gefordert.

 

 

 

28. April 2018

 

Von wem werden wir regiert? Und ich meine nicht nur uns hier in Deutschland, sondern ich meine die Menschen in allen Ländern.

 

In Amerika regiert ein Mann über Twitter, von dem die Einen sagen, er sei überdurchschnittlich intelligent, aber moralisch untragbar, während Andere ihn schlicht für grenzdebil und dement halten. Nicht wenige wiederum sehen in ihm den Retter der freien Welt. Dabei ist es gleichgültig, ob er nun abgrundtief dumm, oder aber überaus gerissen ist. Auf jeden Fall ist er unberechenbar in seinen Entscheidungen und gefährlich aggressiv im Umgang mit all denen, die nicht uneingeschränkt hinter ihm stehen.

 

Russland wird von einem Präsidenten beherrscht, der offensichtlich sein riesiges Land zu historischer Größe zurückführen möchte und sich selbst als eine Art legitimen Nachfolger der alten Zaren zu sehen scheint. Es mutet in diesem Zusammenhang geradezu grotesk an, dass seit einigen Jahren der Stalinkult eine Renaissance erlebt. 

 

In der Türkei herrscht ein größenwahnsinniger Fanatiker, der sich immer unverblümter als skrupelloser Diktator outet. Nordkorea verhungert unter der Hand eines offenbar geisteskranken Despoten. Ob sich daran nach seinen jüngsten Äußerungen etwas ändern wird, sei dahingestellt und darf bezweifelt werden. In verschiedenen afrikanischen und auch südamerikanischen Staaten wird ein Regime durch ein anderes abgelöst, während die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse bestenfall gleich bleiben.

 

Und was geschieht in Europa? Der durch Kriege gebeutelte, krisengeschüttelte und durch einen über siebzigjährigen Frieden verwöhnte Kontinent verbarrikadiert sich hinter kleinmütigem Gehorsam einerseits und neurotischen Größenphantasien andererseits. In all diesen Beispielen, die gewissermaßen exemplarisch für die gesamte Welt stehen, geht es letztlich um das Erringen und Erhalten von Macht. Ob der Einzelne dabei an der Spitze oder im Windschatten der Führenden fährt, ist unerheblich, solange er wenigstens die Illusion eigener Macht behalten darf. Es lebt sich gut am Rektum des großen Bruders, solange man sich die Abluft aus demselben als karibische Brise schönreden kann.

 

Werden wir also gewissermaßen von mehr oder weniger unzurechnungsfähigen Leuten regiert, die der völlig abgehobenen Idee von totaler Macht erlegen sind?

 

 

 

14. April 2018

 

Und wieder dominiert eine Meldung sämtliche Nachrichten. Unter der Führung einer sogenannten Weltmacht bombardieren drei Staaten ein Land, in dem schon seit gut sieben Jahren ein erbitterter Krieg des Regimes gegen das eigene Volk herrscht. Auslöser dafür ist der angebliche Einsatz von chemischen Waffen gegen Zivilisten.

 

Wie war das noch damals im Krieg der USA gegen den Irak? Da wurden vom damaligen amerikanischen Außenminister gefälschte Beweise für angebliche Massenvernichtungswaffen vorgelegt. Der international hoch angesehene Diplomat entpuppte sich als Lügner im Auftrag seines Chefs. Wie damals wird auch heute wieder ohne gesicherte Beweise ein Angriffskrieg geführt. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass damals Daten und Fakten gefälscht wurden, während die Verantwortlichen sich heute auf Mutmaßungen beschränken.

 

Warum wird gerade jetzt dieser irrsinnige Krieg wieder angeheizt? Ist es überhaupt ein Krieg der Westmächte gegen Syrien, oder soll es vielmehr ein Schuss der USA vor den Bug Putins sein? Das Verhältnis zwischen Amerika und Russland ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Schon vor diesem Hintergrund verbietet sich jegliche Unterstützung seitens europäischer Staaten für diesen völlig durchgeknallten Kriegstreiber im Weißen Haus. Leider ist die internationale Gemeinschaft offenbar nicht mehr in der Lage, eigenverantwortlich mit diplomatischen Mitteln zu handeln. Da wird sich dann auf vertragliche Verpflichtungen und, was noch perfider ist, auf die Verteidigung der Menschenrechte berufen.

 

Während aber Großbritannien und Frankreich direkte Angriffe fliegen, versucht die deutsche Bundesregierung denkbar plump, sich aus der Verantwortung zu winden. Sie rechtfertigt den Militärschlag, verweigert aber die aktive Teilnahme. Statt dessen bekundet die Kanzlerin die grundsätzliche Bereitschaft zu logistischer Unterstützung. So soll es unter Umständen möglich sein, potentielle Ziele zu erkunden und die Daten an die Kampfeinheiten weiterzugeben. Zusätzlich stehen Tankflugzeuge bereit. Auch das hatten wir schon mal. Ich kann mir vorstellen, dass das die einzig verfügbaren einsatzfähigen Geräte unserer Matchboxarmee sind.

 

Wie auch immer, Deutschland macht sich damit auf jeden Fall mitschuldig an diesem eklatanten Bruch internationaler Konventionen.

 

 

 

8. April 2018

 

Worum geht es bei all den Kriegen in nahen und mittleren Osten? Geht es um Religion, oder um Herrschaftsansprüche? Oder geht es um Bodenschätze, also vor allem um Öl, wie so oft behauptet wird, weil es so einfach erscheint?

 

Es ist mehr, als nur das Interesse am Öl oder an anderen Ressourcen. Es sind geopolitische und geostrategische Interessen, die sich in ihrer ganzen Komplexität dem Normalbürger nicht erschließen. Es geht um Bündnisse, sowohl ökonomisch, als auch militärisch, um ein künstliches Gleichgewicht zu erhalten, das von Anfang an gar nicht stabil sein konnte. Es wurden von europäischen Kolonialmächten ganze Staaten quasi auf dem Reißbrett geschaffen. Libyen ist nur eines von vielen Beispielen. Ethnische und religiöse Strukturen wurden vielfach übersehen oder bewusst ignoriert. Länder wurden in Abhängigkeit gehalten, um sie dann ohne funktionierende sozioökonomische Wertmaßstäbe in die Unabhängigkeit zu stürzen. Bündnisse wurden geschmiedet und wieder zertrümmert. Die Hauptnutznießer sind die großen Konzerne, vor allem auch deutsche Waffenproduzenten.

 

Der UN-Sicherheitsrat ist nur ein zahnloser Tiger, weil er von eben diesen Hauptnutznießern, bzw. deren Regierungen kontrolliert wird. UNICEF und UNHCR sind oft ebenso hilflose, wie dekorative Statisten, die die Zustände öffentlichkeitswirksam benennen und Nothilfe leisten dürften, aber nichts wirklich ändern könnten. Den Kirchen käme schließlich die Aufgabe zu, Spenden zu sammeln und dreimal im Jahr das große Feiertagslamento anzustimmen. Damit könnten auch sie trefflich davon ablenken, welch ohen Anteil an dieser Not sie selbst über die Jahrhunderte hatten und haben.

 

Derweil fürchten wir uns davor, dass irgendein Flüchtling uns die subventionierte Butter vom Industriebrot kratzen könnte.

 

 

 

1. April 2018

 

Eine der perfidesten Strategien der Kriegführung besteht im systematischen Verlegen von Minen. Dabei macht es für mich keinen Unterschied, ob diese "erlaubt" oder geächtet sind. Wieviele Minen weltweit gelegt werden und immer noch liegen, ist wohl nicht im Entferntesten auszumachen. Und täglich sterben Menschen, darunter unzählige Kinder, oder werden schwer verletzt und verstümmelt. Selbst wenn der Krieg irgendwann offiziell beendet ist, für die Menschen zwischen den Fronten endet er nie.

 

Wir haben uns beinahe an all diese Minenfelder gewöhnt und so hat deren Entfernung keinerlei Priorität. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass wir mit diesem Begriff sorglos inflationär umgehen. Und so verlegen auch wir täglich unsere eigenen Minen.

 

Die Begründung für eine solche Strategie liegt vordergründig immer wieder in der angeblichen Selbstverteidigung. Den Gegner am Vordringen auf das eigene Gebiet zu hindern rechtfertigt den Einsatz auch der inhumansten Mittel. Dabei ist bei kaum einer anderen Art der Kriegführung das Risiko von langfristigen Schäden so wenig kalkulierbar. Der Begriff "Kollateralschaden" entfaltet hier seine ganze menschenverachtende Dimension.

 

Wieviele Kollateralschäden verursachen wir auch dann noch, wenn wir unsere eigenen Minenfelder längst verlassen und vergessen haben? Wir machen uns, wenn überhaupt, nur sehr selten Gedanken über die langfristigen Folgen unseres Handelns. Ein falscher Verdacht, der nie wieder ganz ausgeräumt werden konnte; eine tiefe Kränkung, die den Betroffenen an sich selbst zweifeln lässt; nichts von dem, was wir tun, ob positiv oder negativ, bleibt ohne Folgen. Meistens bleiben wir von diesen Folgen unberührt, weil sich unsere Wege trennen.

 

Wir sind längst anderswo, unsere Minen bleiben liegen.

 

 

 

31. März 2018

 

Es ist Ostern im Jahre 2018 nach dem mutmaßlichen Geburtstag unseres Religionsstifters. Gestern gedachten wir seiner Ermordung und morgen feiern wir seine Auferstehung. Und wie jedes Jahr wird auch heuer wieder der Papst seine im Kern sattsam bekannte, wenn auch gut gemeinte Friedensbotschaft in die Welt hinaus senden. Am Inhalt seiner Botschaft hat sich indes ebensowenig geändert, wie an deren Sinnlosigkeit. Auch heuer wieder rufen die beiden großen Kirchen in Deutschland zu Toleranz und interreligiösem Dialog auf. Diese hohlen Phrasen hören wir seit vielen Jahren immer wieder und ohne dass sie uns großartig bewegen würden. Politiker schwadronieren gleichzeitig über die Bedrohung der christlich-abendländischen Kultur und haben gerade mal begriffen, auch die jüdische Religion in diesen kulturellen Kontext miteinzubeziehen. Aber weder die Politik, noch die Kirchen gehen ernsthaft und konsequent gegen Islamophobie, Rassismus und Antisemitismus vor. 

 

Gerade die namentlich christlichen Parteien pflegen diese Ressentiments und in den religiös am tiefsten geprägten Gegenden sind Rassismus und Antisemitismus buchstäblich in der DNA verankert. Die wenigsten würden es zugeben, aber nicht etwa weil sie feige sind, sondern weil ihnen das Bewusstsein dafür fehlt.

 

Ich bin in einem Klima aufgewachsen, in dem Antisemitismus und Rassismus vollkommen unbeschwert ausgesprochen wurden und werden. Insofern liegen sie gewissermaßen auch in meiner DNA. Ich kann meine Konfession ändern, meine Religion, meinen Wohnsitz, sogar meinen Namen und bin trotzdem derselbe.

 

Die einzige Möglichkeit, etwas daran zu ändern, besteht darin, sich diese Prägung erst einmal selbst einzugestehen. Die gute Nachticht ist, wir haben einen Intellekt, mit dessen Hilfe wir reflektieren und differenzieren können. Wir müssen ihn nur benutzen. Wir sollten irgendwann erkennen, dass unsere Sicht auf die Fehler und Schwächen Anderer allzu oft nur eine Projektion unserer eigenen Unzulänglichkeiten ist. Und schließlich stünde es uns gut zu Gesicht, unser Gegenüber nicht mehr auf sein Äußeres, seine Hautfarbe, Sprache und Religion zu reduzieren, sondern schlicht auf sein Mensch-Sein.

 

Der Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch!

 

Von den Kirchen sollten wir diese Initiative nicht erwarten. Das kann nur jeder Einzelne in sich selbst und aus sich selbst heraus bewirken. Andererseits sind die Kirchen gefragt, sich auf die christlichen Grundsätze zu besinnen und das antichristliche und zutiefst bigotte Verhalten so vieler ihrer Anhänger nicht nur allgemein anzuprangern, sondern beispielhaft zu entlarven. Aber solange der Papst solche Glaubensverräter empfängt und segnet, bestärkt er sie nur. Und damit wird er selbst nicht unbedingt glaubwürdiger.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen besinnliche Ostern und den einen oder anderen Impuls für eine innere Auferstehung.

 

 

 

29. März 2018

 

Die Jugend in Amerika kämpft für schärfere Waffengesetze. Das macht Hoffnung. Der debile Präsident zwitschert derweil ein paar nichtssagende Phrasen in die Luft und ignoriert den Protest und die Protestierenden ansonsten komplett. Aber diesmal wird er es hoffentlich nicht einfach aussitzen.

 

Die Vorstellung, man könne Waffengewalt mit Waffen bekämpfen, ist ebenso absurd wie unzerstörbar. Aber hier kommt nun etwas hinzu, was mich noch viel mehr verstört, nämlich die offensichtliche Versessenheit der Amerikaner auf ihr Recht auf nahezu uneingeschränkten Waffenbesitz. Dabei gehen manche neuerdings so weit, dass sie die Jugendlichen, die das jüngste Massaker in Florida überlebt haben oder indirekt davon betroffen waren, auf übelste Weise beleidigen, diskreditieren und bedrohen.

 

Dass Menschen, die sich für Frieden und Gewaltlosigkeit einsetzen, als "Gutmenschen" oder "Traumtänzer" verlacht und verunglimpft werden, ist nichts Neues. Auch was sich in Amerika derzeit zwischen Waffennarren und -gegnern abspielt, ist kein neues Phänomen. Und dieser Streit ist grundsätzlich auch nicht auf Amerika begrenzt. Die Heftigkeit allerdings, mit der diese Feindseligkeit hochkocht, ist beängstigend. 

 

Ich hoffe, und damit stehe ich bestimmt nicht alleine, dass diese jungen Menschen es schaffen, eine neue Kultur zum Leben zu erwecken, indem sie das Recht jedes Menschen auf ein Leben in Frieden und Sicherheit als höchsten Grad der Freiheit in den Vordergrund allen Denkens und Handelns stellen.

 

 

 

3. März 2018

 

Gerechtigkeit ist das Recht des Schwächeren.

 

Gerechtigkeit bedeutet, die Starken zu fordern und die Schwachen zu fördern. Alles andere schafft Ungleichheit und damit Unfrieden. Wir können eine gerechte Gesellschaft nur dann begründen, wenn wir nicht dem sozialen Darwinismus das Wort reden, sondern Räume schaffen für jeden Einzelnen, um sich nach seinen Möglichkeiten zu entwickeln. Damit würden wir einen Schritt machen über unsere bloße Existenz hinaus zum wirklichen Mensch-Sein. Es entfaltet sich in der Wahrnehmung des Schwachen in seiner Ganzheit als vollkommenes Wesen. Damit ist der Kleine und Schwache dem Großen und Starken ebenbürtig.

 

Der Weg zur Gleichheit eröffnet sich also mit der Erkenntnis universeller Vollkommenheit. Überlegenheit wird sinnlos und somit aufgehoben. Es gibt kein Oben und Unten mehr, keine Mitte und keinen Rand. Es ist wie in einem Schwarm, in dem die Äußeren immer wieder nach innen gelangen. Jeder ist innen und außen, in der Mitte und am Rand. Und Jeder ist gleich wichtig. 

 

Es mag eine Utopie sein und vielleicht bin ich wirklich ein Traumtänzer. Aber wenn der universelle Friede in echter Einheit und Gleichheit ein verrückter Traum ist, dann liegt doch der Fehler nicht beim Träumer, sondern bei den vermeintlichen Realisten. Wir reden von sozialer Gerechtigkeit, von Chancengleichheit, von Humanismus, wir veranstalten olympische Spiele angeblich zur Völkerverständigung und behaupten doch zu wissen, dass wir all das nie erreichen werden.

 

Was für ein Irrsinn!

 

 

 

10. Februar 2018

 

Immer wieder höre  ich Kommentare, die mit sagen wollen, die AfD sei doch keine rechtsradikale Partei. Der Blick knapp 100 Jahre zurück zeigt, dass das Muster nicht neu ist.

Heute stehen sich Verharmlosung und erbitterte Bekämpfung dieser Partei diametral und unverständig gegenüber. Beides hilft nicht. Wir können die AfD nicht mitgegenseitigem Hass bekämpfen, weil Rassismus, Xenophobie und Antisemitismus viel zu tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt sind. Insofern ist es sinnlos, Andere wegen dieser ihrer Haltung anzugreifen. Gleichwohl müssen die, die aufgeklärt denken, sich jeder Form von rassistischer Gewalt entgegenstellen. Das heißt: Klare Grenze der Toleranz. Konsequenter Platzverweis für Hasskommentare und Gewaltdrohung. Respekt gegenüber der Person, aber klare Kante gegen Nazirhetorik. Und immer wieder Argumente, Argumente, Argumente! Nur so begeben wir uns nicht auf das gleiche niedrige Niveau und wir können die gedankenlosen Mitläufer und Denkverweigerer von den wirklichen Nazis unterscheiden.

 

Noch viel wichtiger ist aber, dass wir als BürgerInnen endlich die in die Pflicht nehmen, die tatsächlich verantwortlich sind dafür, wie es uns und unserem Land geht.  Solange es in unserem Land Altersarmut und soziale Ungerechtigkeit gibt, solange ganze Berufsgruppen unter erbärmlicher Bezahlung leiden,  solange Menschen durch Niedrigstlöhne und Hartz-IV sozial stigmatisiert werden, solange Arbeitslosigkeit und Armut mit Faulheit und Dummheit gleichgesetzt werden, solange eine abgehobene Elite auf „die da unten“ scheißt (man verzeihe mir diesen Ausdruck), solange wird Solidarität ein frommer Wunsch und eine leere Floskel bleiben. Wer vom Volk Solidarität fordert, muss sie selbst verwirklichen. 

 

Ich weiß, dass Egoismus, Neid und Inhumanität so alt sind wie die Menschheit selbst, und dass Aufklärung und Humanismus extrem junge Erscheinungen sind. Und genau deshalb müssen wir aufhören, so zu tun, als könnten wir Rassismus, Antisemitismus und Hass gegen alles Fremde einfach ausknipsen. 

 

Wenn wir es schaffen, eine solidarische Gesellschaft mit einem humanistischen Wertekanon abseits jeglicher religiöser Verkleidung zu begründen, und wenn wir es schaffen, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft über das eigene Gut zu stellen, können wir den Stacheldraht im Kopf abbauen. 

 

All das schreibe ich mit vorgehaltenem Spiegel.

 

 

 

7. Februar 2018

 

Das Ende der Gleichgültigkeit ist der Beginn des eigenen inneren Friedens. 

 

 

 

6. Januar 2018

 

Wenn der Faschismus sich erstmal hinter seiner Maske demokratisch legitimiert und in der Folge die Demokratie abgeschafft hat, beißt sich jeder diplomatische Versuch einer Konfliktlösung daran fest. Erdogan beweist dies seit Jahren in der Türkei, Orbàn beweist es gerade wieder beim Besuch bei "Freund" Seehofer. Selbst wenn innerhalb der CSU Irgendjemand so naiv gewesen sein sollte, zu glauben, der Salonrassist aus Ungarn ließe sich in irgendwelche humanitären Strategien einbinden, wurde er höchst schmerzhaft in die Realität zurück geschleudert. Seehofer hätte es wissen müssen und ich denke, er wusste es.

 

Er benutzt Ungarn als Kopf der EU-feindlichen Staaten im Osten für seine eigene menschenfeindliche Ideologie und merkt nicht, dass er selbst längst zur Marionette geworden ist. Er spielt mit Streichhölzern und überlässt Orbàn den Benzinkanister.

 

 

 

8. November 2017

 

Vor wenigen Tagen wurde in Deutschland ein mutmaßlich islamistischer Anschlag verhindert, dank intensiver Überwachung. Haben die Befürworter der lückenlosen Datenspeicherung und Kommunikationsüberwachung also doch recht? Kann man in einer sozial degenerierten Gesellschaft, in einer durchgeknallten Welt die totale Sicherheit schaffen, oder müssen wir - jeder Einzelne von uns - uns selbst ändern?

 

Das Mantra von der Terrorbekämpfung durch totale Überwachung ist ebenso falsch wie zynisch. Totale Kontrolle fördert nur das gegenseitige und allseitige Misstrauen. Wir opfern unsere Freiheit für eine irrwitzige Illusion. Die Welt wird dadurch nicht besser.

 

 

 

15. Oktober 2017

 

Der erste Schritt in den Krieg ist immer der Verlust von Kultur. Man nimmt den Menschen das Edle, das Schöne, die Kunst und die Musik. Schließlich wird auch die Wissenschaft missbraucht und am Ende wird die Sprache banalisiert und radikalisiert. Die Menschen bekommen Parolen, Religion und systemkonforme Unterhaltung. Und wenn der Mensch dann kein Mensch mehr ist, sondern Deutscher, Amerikaner, Christ, Patriot, oder eben Neger, Kaffer, Kanake oder Jude, dann ist der nächste Schritt nicht mehr allzu groß. Dann wird Tradition zur Religion und Vaterland wird zur einzig legitimen Identifikationsgröße.

 

Im Endeffekt geht es darum, das, was die Menschen über alle Grenzen hinweg verbindet, zu banalisieren und quasi abzuschaffen.

 

 

 

8. Oktober 2017

 

"Heimat" ist ein absolut banaler Begriff.

 

Die Einen sagen, man müsse stolz sein auf seine Heimat. Andere sagen sogar, man müsse seine Heimat nötigenfalls auch mit der Warre verteidigen. Was für ein vollkommener Schwachsinn!

 

Ich wurde hier in Deutschland geboren, genauer in München. Ich kann glücklich sein, nicht in Bangladesh oder Soweto geboren worden zu sein. Aber stolz auf etwas zu sein, wofür ich nichts kann, wäre völliger Quatsch. 

 

Mein Heimatbegriff ist davon abhängig, wie eng der Horizont in meinem Kopf ist. Für die ach so stolzen Zeitgenossen ist er sehr eng. Und für einige ist er sowas von arscheng. Ich bin Münchner, Bayer, Berliner, Deutscher, Europäer - kurzum, ich bin Mensch. Etwas zu verteidigen, was ich mir nicht ausgesucht habe, ist vollkommen absurd. 

 

Wir sollten damit aufhören, die Debatte um den Heimatbegriff als eine Art Kampfsport um das Prädikat "Bester Patriot" zu betreiben.

 

 

 

3. Oktober 2017

 

In Las Vegas hat ein Rentner von seinem Hotelzimmer aus 59 Konzertbesucher erschossen und hunderte verletzt. Jährlich werden in den USA tausende Menschen erschossen, auch Kinder, letztere natürlich versehentlich, was den Irrsinn nur noch unbegreiflicher macht. 

 

Was macht eine Waffe mit dem Menschen, der sie besitzt? Menschen, die als unauffällig, friedlich und loft sogar als iebevoll galten, werden urplötzlich und ohne Vorwarnung oder ersichtlichen Grund zu Massenmrdern.

 

Was ist da passiert?

 

Wir können in deren Herzen nicht hinein sehen und in die Hirne schon gar nicht. Aber wer von uns hatte noch nie in seinem Leben irgendwie geartete Gewaltphantasien? Kann der Besitz einer Waffe, ob Schusswaffe oder Messer, solche Phantasien triggern? Ich glaube Ja. Und ich bin überzeugt, dass Niemand von uns behaupten kann, gegen solche Phantasien immun zu sein. 

 

In den USA darf prinzipiell Jeder, auch Kinder, eine Waffe führen. Das gehört zum Selbstverständnis der Amerikaner. Jeder Versuch, diese Praxis zu ändern, scheitette bisher immer schon im Vorfeld. Aber wir sollten uns hüten, nur über den Atlantik zu blicken. In unserem Land liegen unzählige Waffen mehr oder weniger gut gesichert bei ganz normalen Familien herum. Sie gehören Jägern und Sportschützen, aber auch BürgerInnen, die sich schützen wollen oder glauben, sich schützen zu müssen. Und es sind abertausende von illegalen Waffen unterwegs. 

 

Wenn wir von den USA verlangen, die Waffengesetze zu verschärfen, müssen wir dies im eigenen Land auch tun. Schusswaffen müssen weggeschlossen und gesichert werden und dürfen nur zur Ausübung der Jagd oder des Sports ausgegeben werden unter penibler Kontrolle der Munitionsmenge. Es gab auch hier in der Vergangenheit zu viele Amokläufe und Attentate, um es auf die leichte Schulter zu nehmen.

 

Wir können nicht in die Menschen hinein sehen, also müssen wir dafür sorgen, dass es gar nicht soweit kommen kann. Wieviele Massenmorde brauchen wir noch, um das zu verstehen?

 

 

 

25. September 2017

 

Es stehen uns unruhige Zeiten bevor. Die Aggressivität, mit der die rechte Ideologie verbreitet wird, könnte sich in den Debatten im Bundestag Bahn brechen. Ich bin mr sogar ziemlich sicher, dass dies der Fall sein wird. Diese Aggressivität wird sich wiederum in die öffentliche Auseinandersetzung übertragen. Von Diskussion kann man dann wohl nicht mehr reden. Umso mehr ist die Besonnenheit aller ehrlichen Demokraten gefragt, Wir müssen die Grenze zwischen der parlamentarischen Auseinandersetzung und dem öffentlichen Protest einhalten. Hier wie dort müssen wir sie mit ihren eigenen Argumenten schlagen, ohne uns ihre Waffen zu eigen zu machen. Nur so können wir beweisen, dass unser Verständnis vom Zusammenleben der Menschen das bessere ist.

 

Wir müssen Ideologien bekämpfen, nicht Menschen.

 

 

 

24. September 2017

 

Nun haben wir also die Situation, dass eine faschistische Partei im Deutschen Bundestag sitzt. Sie wollen die Regierung jagen und sich Deutschland zurückholen. Wenn es nicht so gefährlich wäre, müsste man ob der Lächerlichkeit dieses Herrn Gauland lauthals lachen. Aber diese Leute sind Überzeugungstäter und sie haben eine Agenda, die sie geflissentlich verleugnen, die aber so offensichtlich ist, wie sie nur sein kann.

 

Es sind alle demokratischen Kräfte gefragt, diese Nazis zu entlarven als das, was sie sind, nämlich ein menschenverachtender, faschistischer und verlogener Haufen von verkappten Terroristen. Ihnen müssen wir zeigen, was Demokratie und Rechtsstaat bedeuten. Genau daran werden, Nein, müssen sie scheitern.

 

 

 

23. September 2017

 

Es ist komisch. Kim Jong Un und Donald Trump bezeichnen sich gegenseitig als geisteskrank. Beide haben recht. Wer hätte das vor einem Jahr für möglich gehalten? Zwei Irre sind dabei, die Welt in Brand zu setzen. Bevor noch mehr Wahnsinnige auf die Bühne treten, sollte die internationale Gemeinschaft wenigstens bei den Amerikanern den letzten Rest von Vernunft beschwören. Noch besteht Hoffnung.

 

11. September 2017

 

11. September 2001:

 

Es war ein ganz normaler Tag in der Praxis. An der Rezeption stand ein kleines Radio und ich hörte im Hintergrund die Meldungen. Es war unwirklich, wie ein gruseliges Hörspiel. Und dann kam der Satz des Reporters: "Das World Trade Center existiert nicht mehr." Und es lief immer wieder "Only Time", jener Song, der wohl auf ewig mit diesem Ereignis verbunden sein wird.

 

In diesem Augenblick die ganze Tragweite zu erfassen war unmöglich. Einer meiner Patienten an diesem Tag war Amerikaner. Am nächsten Tag hatte ich eine Patientin, die noch am 10.9. morgens auf dem Dach des WTC gestanden hatte. 

 

Meine Gefühle zu beschreiben ist unmöglich. Ich stand unter Schock, habe abends immer wieder die Bilder angesehen in der Hoffnung, das normale Programm würde gleich weitergehen. Und heute, nach 16 Jahren, begreife ich es immer noch nicht wirklich. 

 

Lasst uns, Jeder für sich, dafür sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht. Es beginnt mit Gedanken, so oder so.

 

 

 

 

10. September 2017

 

Nordkorea hat angeblich die Wasserstoffbombe. Nun erklärt uns ein renommierter Physiker, dass das eigentlich Unfug ist, weil die Nordkoreaner angeblich diese Technik gar nicht beherrschen können. 

Ich halte das für äußerst riskant. Wir müssen uns gegenseitig ernst nehmen, vor allem unsere Gegner. Es hilft nicht, den Gegner lächerlich zu machen und ihm die Kompetenz abzusprechen. Einem Regime wie in Nordkorea muss man alles zutrauen, nicht nur um vor bösen Überraschungen sicher zu sein, sondern um die eigene Glaubwürdigkeit nicht zu verspielen. Wir leiden an unserer Arroganz um das, was wir haben und können, oder was wir auch nur zu haben und zu können glauben. Damit fordern wir den Größenwahn und die Wut derer heraus, die unseren Hochmut nicht mehr ertragen können und wollen. Mit diesem Hochmut generieren wir neue Allianzen, innerhalb derer ach so minderbemittelte Staaten plötzlich die Mittel bekommen, die sie allein nicht hätten. Selbst wenn die Technik heute nicht funktioniert, irgendwann trifft eine Rakete.

 

 

 

9. September 2017

 

Leute, hört auf, über drohende Kriege zu reden! Redet endlich über den Krieg, in dem wir uns seit über 100 Jahren befinden! 

 

Die Waffen in diesem Krieg sind nicht Bomben und Raketen, sondern Zölle, Freihandelsabkommen und Subventionen. Und die Propaganda in diesem Krieg heißt Rassismus. Wir haben jahrhundertelang die Lebensgrundlagen ganzer Kontinente zerstört, Völker unterdrückt und versklavt und dafür gesorgt, dass die Welt in eine Schieflage gerät, die politisch nicht mehr zu korrigieren ist. 

Als dann die Aufklärung und das humanistische Welt- und Gesellschaftsbild sich in immer mehr Köpfen festsetzte,  war diese menschenverachtende Praxis nicht mehr tragbar. Der Rassismus indes blieb, weil Aufklärung und Humanismus in den Köpfen stecken blieb und die Herzen nicht erreichte.

 

Unsere Sklaven arbeiten nicht mehr im eigenen Haus und den eigenen Feldern, sondern in Bangladesh, Südafrika, Lateinamerika und überall dort, wo billige Arbeitskräfte und oft genug Kinder für unseren vermeintlichen Wohlstand schuften. Und nun kommen die, die unter den Folgen von Protektionismus und Wirtschaftskolonialismus zu leiden haben, dahin, wo die Produkte ihrer Arbeitskraft landen. 

 

Wenn wir diesen Krieg, der wahrscheinlich mehr Opfer forderte und fordert, als alle bewaffneten Konflikte für sich genommen, beenden wollen, müssen wir zuallererst unsere Waffen strecken. Und das sind eben nicht die Bomber, Panzer und Raketen, denn sie sind ja auch nur perverse Auswüchse des eigentlichen Geschehens. Sie sorgen nur für die sichtbaren Brände und Explosionen. Der abermillionenfache Tod kommt still im Dunklen. 

So absurd es ist, die Opfer eines Angriffs medizinisch zu versorgen, anstatt sie einfach unbehelligt zu lassen, so zynisch ist es auch, den Völkern, die man ungehemmt plündert und demoralisiert, Entwicklungshilfe angedeihen lassen zu wollen. Das ist so, als würde ich einem Opfer meines Bombenangriffs den Zeigefinger wieder annähen, damit er den Abzug betätigen kann, um ihn dann in Notwehr zu erschießen. 

 

Es gibt nur eine Welt und wir müssen dafür sorgen, dass die von uns gemachte dritte Welt wieder ein lebendiger Teil dieser einen Welt werden kann. Dafür brauchen all diese Völker keine Entwicklungshilfe, denn sie waren schon vor uns entwickelt. Sie brauchen echte Wiedergutmachung. Sie brauchen gerechte Teilhabe am internationalen Handel in absoluter Eigenverantwortung und dafür brauchen sie Wissen und punktgenaue Unterstützung. Sie müssen sich zuerst selbst versorgen können, ehe sie ihre Produkte zu Dumpingpreisen an uns verscherbeln. Wiedergutmachung heißt aber vor allem, unsere Standards auf den Prüfstand zu stellen. Rückbesinnung auf das Wesentliche heißt nicht Verzicht auf das Schöne. Im Gegenteil wird das wirklich Schöne und Wertvolle dadurch wieder sicht- und spürbar. Es gilt, die Erde zu rehabilitieren, indem wir den Wert ihrer Ressourcen erkennen, der viel mehr in ihrem Erhält liegt, als in ihrer Nutzung. Das ist mehr als Wochenendfolklore. Und schließlich bedeutet Wiedergutmachung die Einsicht, dass der Mensch in seinem Wert nicht differenziert werden kann. Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch. 

 

Wir müssen aufhören, auf Kosten Vieler Überfluss für Wenige zu produzieren. Erst wenn wir wissen, was wir wirklich brauchen, beginnen wir, die kleinen und großen Zugaben zu schätzen. Das ist keine Planwirtschaft im schlechten Sinne. Es ist schiere Vernunft. Aber Vernunft braucht nunmal einen Plan.

 

 

 

11. August 2017

 

Die USA und Nordkorea drohen sich gegenseitig. Die Rhetorik unterscheidet sich nicht mehr. Da sind zwei Wahnsinnige, die mit dem Feuer spielen, weil sie offensichtlich jeden Bezug zur Realität verloren haben, wenn sie ihn je hatten. 

 

Das einzig Beruhigende ist noch, dass es in Amerika offenbar Kräfte gibt, ihren irren Präsidenten noch zügeln können. In Nordkorea gibt es diese Kräfte nicht. Offenbar gibt es keine Möglichkeit, Trump loszuwerden. Jedoch haben sich die Koordinaten verändert. China spielt dabei vielleicht die wichtigste diplomatische Rolle. 

 

Meine größte Hoffnung aber liegt in der amerikanischen Öffentlichkeit. Die Meinung des Auslands geht Trump am Arsch vorbei. 

 

 

 

3. August 2017

 

Trauer um zwei tote Bundeswehrsoldaten in Mali. 

 

Ein solches Ereignis macht mich traurig und ich frage mich, wem das ganze hohle Geschwätz helfen soll, das jetzt wieder verbreitet wird. 

 

Militäreinsätze kosten Leben, auf welcher Seite auch immer. Militäreinsätze zur Herstellung und Sicherung des Friedens sind eine Farce, solange fremde Mächte irgendwo auf der Welt versuchen, ihre eigenen Vorstellungen von Demokratie und Kultur anderen Völkern aufzudrängen, die sie seit Jahrhunderten kulturell und wirtschaftlich unterdrücken. 

 

Es ist im Grunde eine Beleidigung aller Betroffenen, wenn behauptet wird, die Soldaten seinen für die Sicherheit unseres Landes gestorben. Mali wird nicht sicherer, wenn man die Gewalt dort mit noch mehr Gewalt unterdrückt, während einem die wahre Not, das wahre Elend am Arsch vorbei geht. Afrika wird nicht sicherer, solange nur punktuell reagiert wird, anstatt die eigentlichen Ursachen anzugehen. Und schon gar nicht wird Europa oder insbesondere Deutschland sicherer. 

 

Es gibt nur einen Weg, die Kriege in Afrika, sowie im nahen und mittleren Osten zu beenden. Dieser Weg beginnt mit der Einsicht eigener Arroganz und Ignoranz der Wirtschaftskolonialisten. Imperialismus und Rassismus in Verbindung mit maßloser Gier waren immer schon Ursachen für Kriege und sie sind es bis heute. Handelspolitik zum Vorteil derer, die schon alles haben, und zum Nachteil ganzer Völker, denen auch der letzte Tropfen Wasser abgegraben wird, fordert Kriege heraus, statt sie zu bekämpfen, geschweige denn zu verhindern. 

 

Solange wir diese Einsicht nicht zulassen, sollten die, die sich jetzt in salbungsvollen Trauerreden ergehen, einfach die Klappe halten. 

 

 

 

9. Juli 2017

 

Nach diesem Wochenende, nach den Ereignissen in Hamburg, nach all den hitzigen, polemischen und teilweise unsinnigen Debatten und Kommentaren frage ich mich ernsthaft, was unsere Demokratie wert ist. 

 

Die selbstherrlich ignorante Inszenierung der Mächtigen, in der die definitiv Wahnsinnigen kaum noch auffallen; eine offensichtlich hypernervöse Polizei, die gegenüber harmlosen Demonstranten ihre Schlagkraft beweist, während sie vor den gewalttätigen Marodeuren beinahe Angst zu haben scheint; schließlich ein völlig enthemmter und entfesselter Mob aus linksradikalen (die bei genauerer Betrachtung radikal sind, aber nicht links) und möglicherweise auch aus Neonazis, die die Gunst der Stunde nutzen, um die Gesellschaft zu destabilisieren und den Staat zu unterminieren;  zwischen all dem eine entsetzte, rat- und machtlose Öffentlichkeit, der es unmöglich scheint, die Dinge überhaupt einzuordnen, zerrieben zwischen arroganter Ignoranz auf der einen und blinder Wut auf der anderen Seite.

 

Was ist eine Demokratie wert, die von den einen zerredet, von Anderen zertreten und von den Meisten ignoriert wird? 

 

Die Zeiten wohliger Selbstzufriedenheit sind vorbei, wenn es sie denn je gegeben hat. Es war wohl eher Realitätsverleugnung. Wir leben längst im kalten Bürgerkrieg, der immer öfter aufflammt. Wenn die gleichen Leute, die die Gewalt von oben beklagen, der Gewalt auf der Straße applaudieren, sind sie nicht besser, als die Chaoten selbst und haben genau diese Regierung verdient, die sie gängelt, überwacht und bescheißt. 

 

Die Demokratie ist die wert, die sie leben, die sie mit Kopf und Herz verteidigen und sie mit Leben erfüllen. Davon gibt es genug. Es braucht nur Mut, Geduld und jede Menge Leidensfähigkeit. 

 

 

 

6. Juli 2017

 

Hamburg 2017

 

Was in Hamburg gerade abgeht, ist eine Schande. Es ist m. E. völlig indiskutabel, wie die Polizei gegen Demonstranten vorgeht. Aber genauso hirnrissig ist es doch, so zu tun, als seien nur die Polizisten die Bösen, als seien alle Beamten brutale Schläger und alle Demonstranten hätten Blumenkränze im Haar, Nelken in der Hand und würden "Kumbaya My Lord" singen. Leute, kommt von den Bäumen. 

 

Fakt ist, dass ausgesuchte Polizeieinheiten dazu abgestellt werden, jede Störung der Atmosphäre sofort und mit aller Härte niederzuschlagen. Aber das ist nur eines von vielen Schlaglichtern. Fakt ist nämlich auch, dass immer wieder auf diversen Demos zu allen möglichen Anlässen Gruppen sogenannter "Linker" (Autonome und der sogenannte Schwarze Block sind in Wahrheit asoziale Arschlöcher) sich schon im Vorfeld zur Randale verabreden. Fakt ist ebenfalls, dass selbst im Grunde friedliche Demonstranten der Polizei mit unverhohlenem Argwohn bis hin zu blankem Hass begegnen. Beide Seiten begründen dann Ihre eigene Aggression mit der der Gegenseite. 

 

Leider ist es inzwischen populär, Polizist*innen zu verunglimpfen und zu beschimpfen. Ich habe manchmal den Eindruck dass es in gewissen Kreisen schon beinahe zum guten Ton gehört, Beamt*innen verbal und/oder physisch anzugreifen. Die Polizei ist zum Feindbild geworden. Immer mehr Bürger*innen scheint das Bewusstsein für Recht und Unrecht abhanden zu kommen, von Respekt erst gar nicht zu reden. Ein Polizist ist nunmal kein "Bulle", sondern ein Mensch, der für ein mieses Gehalt den Kopf hinhält. Mit solchen Kleinigkeiten fängt es an. Wie wäre es also zur Abwechslung mal mit Achtung und ein bisschen Dankbarkeit für deren täglichen Einsatz? Wie wäre es, wenn "mündige" Bürger*innen sich mal Gedanken machen würden, auf wen sie ihren Hass projizieren wollen? Dann können sie auch Forderungen an die Politik und die Sicherheitsorgane stellen. Bisher stellen sie selbst diese Legitimation infrage.

 

 

 

29. Juni 2017

 

In Berlin-Neukölln wurde ein Haus durch die Polizei geräumt, in und vor dem sich Bewohner und Demonstranten gegen den Verkauf an einen sogenannten Investor, in Wahrheit wohl eine Briefkastenfirma, wehren wollten. 

 

Was ist das anderes als Krieg gegen Bürger, deren einzige „Waffe“ der eigene Körper und deren Einsatz die eigene Existenz ist?

 

Diese Schlacht mag mit physischer oder auch mit Waffengewalt ausgetragen werden, der Krieg wird mit Geld, letztlich mittels Korruption und Betrug geführt. 

 

Neukölln ist nur ein Beispiel. Sozialer Friede kann da nicht entstehen. 

 

 

 

27. Juni 2017

 

In den letzten Jahren sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken oder auf dem Landweg verhungert, verdurstet und an Entkräftung gestorben. Das riesengroße Europa mit seinen über 500 Millionen Einwohnern und seiner gigantischen Wirtschaftskraft hat es nicht geschafft, die Überlebenden aufzunehmen. Menschen, die die humanistische Tradition ernst nehmen, werden verspottet und kriminalisiert. Regierungen biedern sich einem dumm-fanatischen Mob an und ermorden abertausende verzweifelte Menschen aus Angst vor Mördern. Das ist so unfassbar absurd. 

 

Warum können ganze Staaten sich völlig abschotten? 

 

Bei allem Stolz über unsere humanistische Tradition ist offensichtlich, dass der Geist unserer Gesellschaft rechts tickt. Mein Fazit ist, dass wir nichts gelernt haben, dass wir Angst haben. Das Schlimmste ist, dass diese Angst verleugnet und mit vermeintlichem Mut verbrämt wird. 

 

Nationalismus ist nichts anderes als erbärmliche Feigheit. Humanismus ist aus der Konfrontation entstanden. Nationalismus ist das Gegenteil davon.

 

 

 

 

29. Mai 2017

 

Kinder lernen früh, sich zu wehren, Ansprüche zu stellen und Ziele zu verfolgen. Vor allem lernen sie, dass es in bestimmten Situationen legitim ist, diese Ziele auch aggressiv zu verfolgen. Was sie nur selten oder gar nicht lernen, ist das Vertrauen in eine innere Stärke, die weit über jede äußere Gewalt hinausgehen kann, wenn man sie denn wirklich als Stärke begreift.

 

Kinder lernen früh, was es heißt, Außenseiter zu sein oder im Mittelpunkt zu stehen. Nein, ich führe jetzt nicht aus, was man haben und wie man sich verhalten muss, um dahingehend erfolgreich zu sein. Wer sich beschwert oder Klage erhebt, ist ein Verräter. Wer aus einer Situation flüchtet, ist ein Schwächling. Wer nicht zurückschlägt, ist ein "Opfer". 

 

Kinder lernen früh, was wir sie lehren. Sie nehmen es an, weil sie nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden. Es liegt also an uns, den Kindern den Wert der Friedfertigkeit deutlich zu machen. Wir müssen ihnen zeigen, dass die Kapitulation vor der Angst keine Stärke ist. Nicht der ist schwach und feige, der der Gewalt ausweicht, sondern der, der sie zulässt, weil er nichts entgegenzusetzen hat und weil er keine Ahnung hat, wohin er ausweichen soll.

 

Lehren wir sie also, sich gegen Feigheit und Angst zu wehren! Lehren wir sie Ansprüche zu stellen an die Barmherzigkeit, das Mitgefühl und die Nächstenliebe. Lehren wir sie Mut statt Verzagtheit.

 

Aber zuerst müssen wir all das selbst lernen

 

 

 

26. Mai 2017

 

Wenn in einem Gespräch zwischen einem renommierten Philosophen und einem ehemaligen General die Frage gestellt wird, warum es immer noch Kriege gibt, ist der bloße Versuch einer Antwort schon zum Scheitern verurteilt. Warum sollte ausgerechnet die Auflösung eines der beiden größten militärischen Blöcke der Geschichte den Krieg überflüssig machen?

 

Schon Immanuel Kant träumte von einem weltweiten Bund für den Frieden, der jegliche Regelverstöße sanktionieren und Kriege verhindern könnte. Betrachtet man diese Idee im Kontext der heutigen geopolitischen Lage, liegt ihre Absurdität auf der Hand. Vielleicht sah Kant wirklich den totalen Frieden als kategorischen Imperativ. Heute geht es mehr denn je um wirtschaftliche Interessen neben den strategischen. Es geht um Macht und Einfluss. Was also sollte Staaten mit den verschiedensten Systemen und Interessen daran hindern, weiterhin diese Interessen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durchzusetzen? Das haben sie immer getan, im Kleinen wie im Großen. Und die Gretchenfrage lautet ja: Mit welchen Mitteln will eine wie auch immer organisierte Staatengemeinschaft eine Friedensordnung durchsetzen? Wie sähen die Sanktionen aus? 

 

Wie wir es auch drehen und wenden, es läuft immer auf eine Form von Gewalt hinaus. 

 

Die Anfangsfrage geht aber auch deshalb ins Leere, weil sie nur auf die großen Konflikte der Großmächte und die von ihnen geführten Stellvertreterkriege eingeht. Was hingegen außen vor bleibt, sind all die kleinen Konflikte, die von der großen internationalen Gemeinschaft nicht oder nur flüchtig beachtet werden. Wir müssen aber im Kleinsten anfangen, in der Keimzelle. In der DNA dieser Keimzelle liegen Angst, Narzißmus, Gier und Neid. Der Ansatz zur Lösung liegt also nicht in der Idealisierung der Friedfertigkeit in einer geradezu naiven Harmlosigkit, sondern darin, diese DNA zu akzeptieren. Daraus ergibt sich die Erkenntnis einer ganz anderen Realität, als wir sie bisher angenommen haben. Friedfertigkeit ist keine Schwäche, sondern im Gegenteil eine gewaltige Herausforderung. Es geht um nicht weniger als die Vergiftung unserer DNA mit dem Empathievirus. Selbstlosigkeit und Barmherzigkeit sind nicht Teile der DNA. Wir müssen sie damit infizieren. 

 
 

 

23. Mai 2017

 

Das jüngste Opfer des Anschlags von Manchester war acht Jahre alt. Wie immer in solchen Momenten stehen wir ratlos, fassungslos, traurig und wütend vor dem Unerklärlichen, vor der unerträglichen Monstrosität des Wahnsinns.

 

Ich komme einmal mehr zu dem Schluss, dass Religion die perfideste und verlogenste Form machtgeiler Politik ist. Erst wenn wir sie überwunden haben, besteht eine kleine Chance zum Frieden. 

 

 

1. Mai 2017

 

Da wird am 1. Mai weltweit der "Tag der Arbeit" begangen. Es wird daran erinnert, wie schwierig es war, soziale Standards zu etablieren. Es geht um gerechten Lohn, gerechte Bildung, Schutz von Leben und Gesundheit. Es geht auch um kulturelle Teilhabe und schließlich geht es um das friedliche Miteinander in unserer Gesellschaft. Das sind Erfolge linker Gruppen. Es wird für eine bessere Gesellschaft demonstriert und dann kommen Tausende von sogenannten Linken und zerstören blindwütig alles, was Ihnen vor die Füße kommt. Sie schreien nach Zerstörung und treten all das mit Füßen, was Linke jahrzehntelang erstritten haben.

 

Es wurde oft etwas Altes zerstört, damit etwas Besseres nachkommen kann. Aber diese "autonomen Linken" haben nichts, was nachfolgen könnte, außer Hass, Wut und Angst.

 

Diese Marodeure sind keine Linken, denn sie haben keine Ahnung, worum es den Kommunisten, Sozialdemokraten und allen überzeugten Linken wirklich ging. Sie zertreten die Wurzeln und beklagen sich, dass nichts daraus wächst.

 

Es wird Zeit, dass die Linken sich entschieden gegen diese hirn- und gewissenlosen Chaoten abgrenzen. 

 

 

 

30. April 2017

 

Ich bin mal gespannt, wann auch der letzte völkisch hirnvernagelte Deutschtümler merkt, wie vollkommen idiotisch dieser Patriotismus ist, den er mit seinen Artgenossen vor sich her trägt.

 

Ich bin froh, in Deutschland geboren worden zu sein, nicht in Bangladesh, in der Sahelzone oder einer südafrikanischen Township. Aber ich könnte auch in Österreich, Neuseeland oder Kanada leben. Ich kann schlicht und einfach nichts dafür, dass ich hier in dieses Land und in dieses Volk geworfen wurde. Niemand kann etwas für seinen Geburtsort. Worauf soll ich also stolz sein?

 

Stolz kann ich doch nur auf die eigene Leistung sein, auf das, was ich aus eigener und gegen alle Widerstände erreicht habe. Jemand, der nie kämpfen musste, der sich alles leisten kann und schon als Kind den Luxus in den Arsch geblasen bekam, ist nicht stolz, sondern oftmals nur hochmütig. Stolz auf die Leistung Anderer ist nichts weiter, als verbrämter Neid. Sich ins Licht Anderer zu stellen täuscht darüber hinweg, wie zappenduster es im eigenen Dasein ist.

 

Wer stolz auf die eigene Herkunft ist, vergisst zumeist die Geschichte seiner Nation, Kriege, Gebietsverluste, Überfälle, Völkerwanderungen. Unwissen darüber ist das Eine, es nicht wissen zu wollen oder zu leugnen ist dagegen einfach nur dumm. 

 

 

 

17. April 2017

 

Es ist wieder die Zeit, in der eine der größten Weltreligionen ihr höchstes Fest feiert. Es geht um Tod und Auferstehung. Letztlich geht es um Erlösung. Dieses Thema ist allen Weltreligionen eigen. Diejenigen, die sich dieser Tage so inbrünstig selber feiern, haben indes den Vorteil, dass sie diese Erlösung quasi schon in der Tasche haben. Der Erlöser ging dafür durch die Hölle aus Flucht, Verrat, Demütigung, Folter und Hinrichtung, offiziell stellvertretend für uns Alle.

 

Was für eine unglaubliche Nummer!
Ein Gott, der bis dato angeblich einen Völkermord nach dem anderen befohlen, Stämme gegeneinander aufgehetzt, Brüder zu Mördern und Männer zu Ehebrechern gemacht, sowie einen Vater dazu gebracht hat, seinen eigenen Sohn zu opfern, schickt wiederum seinen eigenen Erstgeborenen auf die Erde, um den ganzen Wahnsinn zu beenden. Der entlarvt das Gebaren der Priester jener Religion, der er selbst angehört, als heuchlerischen Mummenschanz und verlogenes Protzgehabe. Dafür lassen ihn seine ehemaligen Glaubensbrüder über den Jordan gehen, in welchem sie sich zuvor von ihm haben taufen lassen.

 

Ein Leben, geprägt von Diskriminierung, Armut, Flucht, Verherrlichung und Demütigung, schließlich durch einen Justizmord beendet, das feiern wir und lassen es doch seit 2000 Jahren und auch weiterhin  milliardenfach genauso geschehen.

 

In vielen großen Weltreligionen wird allzu oft der Tod als Sieg gefeiert. Nicht nur Fanatiker feiern den Tod derer, die anders denken, anders leben oder anders glauben. Wir aber feiern einmal im Jahr an zwei Tagen die Geburt eines Kindes in Elend und Ausgrenzung und an drei Tagen den angeblichen Sieg von Demut, Liebe und Barmherzigkeit über den Tod. Wir feiern das Leben, den Mut, das Vertrauen. 

 

Und was tun wir an den übrigen 360 Tagen? 

 

 

 

11. April 2017

 

Wer einen Anderen unter dem Vorwand der Liebe vor allem Bösen beschützen will, schottete ihn auch vom Glück und damit vom Leben ab.

 

Der Weg zum Glück geht oft durch den Schmerz. Das heißt nicht, dass wir den Schmerz brauchen, um Glück empfinden zu können. Aber wir können den Schmerz und das Leid nicht ausblenden. Wer offen ist für das Glück, ist auch verletzbar. Wer gestreichelt werden will, kann auch geschlagen werden. Wer den warmen Hauch des Friedens und der Liebe spürt, der spürt die Kälte von Hass, Neid und Misstrauen umso schmerzhafter. Wer Augen und Herz vor dem Schmerz verschließt, wird blind für das Glück.

 

Nichts ist gefährlicher für das Glück, als die eigene Angst vor dem Schmerz, sowohl vor dem eigenen, als auch vor dem Anderer. 

 

 

 

9. April 2017

 

Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört? 

 

"DIE NATUR BRAUCHT UNS NICHT, ABER WIR BRAUCHEN DIE NATUR."

 

Seit der Mensch die notwendigen Mittel dafür gefunden hat, versucht er, die Erde in seinem Sinne und zu seinem Nutzen zu formen und zu verändern. Jedes Volk, jede noch so kleine Gemeinschaft nimmt für sich einen Teil des Ganzen in Anspruch, steckt ihn ab, zäunt ihn ein und verteidigt ihn gegen Alles und Jeden, der auch nur in die Nähe kommt, geschweige denn die Grenzen unerlaubt überschreitet, gegen einzelne Menschen, gegen andere Völker, gegen Tiere und schließlich gegen die Natur an sich. Jeder wird zum Feind erklärt, der der Befriedigung eigener Ansprüche entgegen steht. 

 

Lange Zeit suchte der Mensch den Einklang mit der Natur, er ordnete sich den Mächten der Natur unter und lernte, den Elementen zu gehorchen, mit Ihnen in Harmonie zu gelangen und Ihnen zu dienen. Er sah in der Natur den Grund seines eigenen Daseins und er sah in allen Formen das Göttliche, dem er im tiefen spirituellen Erleben verbunden war. 

 

Mit der Zeit, mit der wachsenden Erkenntnis seiner Macht und der Vorstellung eigener Größe, wurde er selbst zum Schöpfer neuer Formen und zum Überwinder seiner selbst empfundenen Schwäche. Er konnte sich immer weiter erheben und raubte der Natur und den Elementen ihre Mystik, ihre Göttlichkeit. Schließlich wurde er selbst zum Beherrscher dessen, was ihn erschaffen hatte. Alles Göttliche, alle Mystik war entzaubert. Es wurde überflüssig, ja im Grunde sogar lästig. Je wissender er wurde, umso mehr beraubte er sich selbst seiner spirituellen Wurzeln. Der Körper, die Materie wurde immer wichtiger und so wurden eben auch Gottheiten verkörpert. Und es ist bezeichnend, dass die Götter immer menschlicher wurden. Damit wurden sie überflüssig, zumal sie mehr Probleme verursachten, als welche zu lösen. Also wurde ein Gott installiert, der perfekt ist, übermenschlich, der ihm, dem Menschen, die Vollmacht über die gesamte Erde gab, dessen Ebenbild wir sind, der also selbst der Übermensch ist. Nun stand der Mensch über allem, den Einklang brauchte es nicht mehr, auch nicht den Einklang unter den Menschen. Jeder konnte Gott sein, aber nicht Alle. 

 

Ich frage mich immer öfter, ob die Abkehr von der tiefen spirituellen Verbindung mit der Natur, mit der "Mutter Erde", nicht ein furchtbarer Irrtum, eine katastrophale Selbstüberschätzung war. Denn letztlich war dies doch die Abkehr von der Demut, von der Einsicht absoluter Gleichheit mit allem Sein. In diesem Sinne ist uns Nichts untergeordnet, aber es steht auch Nichts und Niemand über uns. Wir sind ein Teil des immerwährenden Kreislaufs, denn wir sind aus dem selben Stoff wie alles Leben. 

 

Wie wäre es, wenn wir uns immer wieder bewusst machten, dass in allem, was wir sehen, berühren und benutzen, eine göttliche Kraft wohnt? Und wenn Nichts um uns herum, auch wir selbst nicht, größer oder kleiner ist, gibt es auch in allen göttlichen Kräften kein Größer oder Kleiner, kein Mehr oder Weniger. Es gibt keine Konkurrenz der Götter. Und wenn ich diesen Gedanken zu Ende denke, gibt es nicht einmal Götter, die über uns stünden, sondern eben nur das Göttliche in jeder Form des Lebens. In diesem Bewusstsein sind wir göttlich, ohne dieses Bewusstsein sind wir verzichtbar. 

 

Liegt darin nicht die höchste Erkenntnis des totalen Friedens? 

 

 

 

12. März 2017

 

Wieviel Angst muss Jemand haben, der seine Macht nur mit Gewalt und Unterdrückung behaupten kann? Das Wesen eines Despoten ist es, sich mit Menschen zu umgeben, die ihrerseits Angst haben. Alle diese Menschen, die Despoten wie auch die Mitläufer, suchen nach der Bestätigung, die sie sich selbst nicht geben können. Jede Kritik bestätigt ihre Zweifel. Also lassen sie nur Bestätigung zu, und sei sie noch so plump und durchsichtig.

 

All die Trumps, Erdogans, Putins, sie alle bauen ein Bild von sich auf, dem sich zu entziehen unmöglich sein soll. Wer sich dennoch entzieht, stellt sich nach dieser Logik dem Guten entgegen. Er tut etwas, was nach deren Verständnis unmöglich ist. Also kann er nur böse sein.

 

Das klingt abstrus und nach gängigen Maßstäben völlig abwegig. Vielleicht erscheint es auch manchen Leuten zu einfach. Aber trotzdem oder gerade weil es so einfach erscheint, fallen so viele Menschen darauf herein. Sie folgen dem, der die öffentliche Meinung im Griff hat, der sie kontrolliert, korrigiert und zensiert. Sie folgen dem, der genau mit den Mitteln arbeitet, die er Anderen unterstellt. Sie folgen dem, der auf jede noch so komplexe Frage eine einfache Antwort hat. Im Prinzip wird schon die Frage an sich vereinfacht. Es gibt nur noch einen Aspekt, nämlich den mit der besten Antwort. Und diese Antwort lautet: "Ich helfe Euch! Ich rette Euch! Ich liebe Euch! Und wer das nicht will, ist mein und Euer Feind."

 

All diese machtgierigen Soziopathen, die ihre Impotenz, bzw. die Angst davor, hinter ihrer gigantischen und wahnsinnigen Performance verstecken, sind in Wahrheit Schwächlinge, die früher oder später unweigerlich im Orkus der Geschichte landen.

 

Wir Alle können nur hoffen, dass dies bald geschieht. Aber dazu braucht es ein Volk, das wieder bereit ist, eigenständig zu denken und denen zu vertrauen, die keine einfachen Lösungen beschwören, sondern ihre Unvollkommenheit eingestehen, anstatt Unfehlbarkeit vorzuspielen. Wenn wir sie als das entlarven, was sie sind, nämlich ängstliche Kleingeister, brauchen wir selbst keine Angst mehr zu haben.

 

 

 

10.Oktober 2016

 

Was macht den Menschen aus? 

 

Für die Einen ist der Mensch die Krone der Schöpfung, für die anderen ein Produkt der Evolution. Somit unterscheiden sich die, die den Menschen als die perfekte Vollendung dieses Prozesses sehen, von denen, die ihn nur als den bisherigen Höhepunkt einer Aneinandererreihung von Zufällen anerkennen, in der er das Glück hatte, immer wieder der Stärke zu sein. 

 

Aber wer oder was ist nun der Mensch in dieser seiner heutigen unvollkommenen Form? Dass der sogenannte Homo Sapiens alles andere als perfekt, ja nicht einmal wirklich weise ist, beweist er jeden Tag in allen möglichen Situationen und an allen möglichen Schauplätzen. Weisheit bedeutet mehr als nur die Anhäufung von Wissen und das Sammeln von Erkenntnissen. Jemand, der weiß, dass man einen Atomkrieg unbedingt vermeiden muss, ist nicht automatisch weise, nur weil er nicht wahnsinnig ist. Weisheit bedeutet die kritische Reflexion all dieser gesammelten Fragmente. Kritisch bedeutet dabei durchaus auch leidenschaftlich, wobei die Betonung auf dem Wort "leiden" zu liegen kommt.

 

Es ist doch eine Binsenweisheit, dass ein Organismus mehr ist, als die Summe seiner Einzelteile. Dieser Satz ist allgemein bekannt und wird auch immer wieder verwendet in den verschiedensten Zusammenhängen. Er wird also nicht wirklich angezweifelt. Aber haben wir ihn auch begriffen? 

 

Was also macht den Menschen aus? Ist es seine Fähigkeit zu vernünftigem Handeln, die andere Lebewesen nicht haben, oder die wir diesen zumindest absprechen? Ist es seine Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden? Ist es seine Fähigkeit zu entscheiden, ob er einen Gegner niederringt, oder ob er ihn vernichtet und mit ihm ganze Völker? Was ist in diesem Fall überhaupt vernünftiges Handeln? Welchen Gesetzen folgt es? Ist es das Gesetz der Logik oder ist es das Gesetz der Angst, jener ältesten emotionalen Regung, die wir mit einem Huhn gemeinsam haben? Ist demzufolge das, was wir in unserer Angst für vernünftig halten, nicht die pure Unvernunft?

 

Abgesehen davon, was uns mit dem Huhn verbindet, sind wir doch nichts weiter, als eine Momentaufnahme der Evolution. Viele vermeintliche Beherrscher der Welt sind mehr oder weniger plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Nüchtern betrachtet werden wir irgendwann die Dinosaurier sein. 

 

Was also macht den Menschen aus? Es ist die Fähigkeit zur bewussten Demut. Was uns wirklich fehlt, ist die Bereitschaft dazu. Es muss ja nicht unbedingt die Demut vor Gott sein. Es reicht schon, wenn wir vor dem, was vor uns war und nach uns sein wird, ein Mindestmaß an Respekt üben.

 

 

11. Oktober 2016

 

Wenn die Einen nur draufhauen und die Anderen nur den Schwanz einziehen, wird es nie zu einer Einigung kommen. 

 

Schaut man sich die allgemeine Weltlage an und betrachtet man die Kräfteverhältnisse, muss man zu dem Schluss kommen, dass die Idee eines dauerhaften und stabilen Friedens unter diesen Bedingungen reine Utopie ist. Während auf der einen Seite wirtschaftliche Supermächte sich immer aufblähen, werden auf der anderen Seite Staaten in Abhängigkeit gehalten. Militärisch sind Sie vordergründig selbstständig, in Wirklichkeit aber sind sie nur Handlanger für die geopolitischen und ökonomischen Interessen der führenden Mächte. 

 

Nach jahrzehnte-, oft jahrhundertelanger kolonialer Bevormundung durch europäische Großmächte wurden ganze Kontinente nach und nach in die Unabhängigkeit entlassen. Besser gesagt, sie wurden fallengelassen und in die Hilf- und Perspektivlosigkeit gestürzt. Die ehemaligen Kolonialherren spielten sich zu Schutzherren auf und sicherten sich im Gegenzug die für die heimische Industrie notwendigen Ressourcen. Fein ausgefeilte Verträge traten an die Stelle gewaltsamer Ausbeutung. Die dahinterstehende Absicht war und ist die gleiche, die Bereicherung der Starken an den Schwachen. An die Stelle des altem Musters trat eine moderne Form des Wirtschaftskolonialismus. In der sogenannten dritten Welt lassen wir gegen Hungerlöhne Lebensmittel produzieren, die wir dann hierzulande billig verkaufen. Wir zwingen den Bauern dort unsere Anbaumethoden nebst Saatgut - meist Hybridgewächse - und passenden Pestiziden auf.

 

Gleichzeitig beliefern wir zahlreiche wirtschaftlich schwache Länder mit Waffen und schüren damit ethnische und religiöse Konflikte. Für die betroffenen Länder bedeutet dies Zerstörung und weitere Abhängigkeit, für uns jedoch Wirtschaftsaufschwung und Arbeitsplätze. Für diesen Aufschwung bei uns nehmen wir die Zerstörung ganzer Völker in Kauf. Dazu bedient sich das Militär aller legalen Mittel. Die illegalen überlässt es den nützlichen Handlangern vor Ort. Die verfolgen allerdings ihre eigenen Ziele. Sie sind so verblendet, dass sie nicht merken, wie sie von den Großmächten gegeneinander ausgespielt werden. Und der Rest der Welt, der das Ganze viel zu lang beobachtet, reagiert, anstatt zu agieren. 

 

Es gibt keine ernsthaften Absichten und schon gar keine belastbaren Initiativen, an diesen festgeschriebenen Prämissen irgendetwas zu verändern. Die, die immer behaupten, alles tun zu wollen, um Kriege zu beenden, denken doch in allererster Linie daran, was ihnen der Friede bringen würde und was ihnen der Krieg tatsächlich ganz konkret bringt. Ein Friede dient nur dazu, die militärischen Gewichte so zu verändern, dass sie mit der veränderten Interessenlage der Großmächte wieder in Deckung kommen.

 

 

12. Oktober 2016

 

Gewinnt der Hass die Oberhand oder hat die Vernunft noch eine Chance?

 

Wo das rationale Denken ausgeschaltet wird, kann Angst genährt werden. Dabei ist es die Angst vor dem Unbekannten, die am empfänglichsten ist für dumpfe Schwarzmalerei. Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen und diese Vernunft nimmt er gerne für sich allein in Anspruch. Und so begründet er irrationale Handlungen mit vernünftigen Absichten. Zwei oder mehr sich völlig widersprechende Positionen werden mit scheinbar vernünftigen Argumenten belegt. Je irrationaler dabei die Argumente sind, desto verbissener werden sie mit vermeintlich vernünftigen Erkenntnissen und Bekenntnissen unterfüttert. Wirklich untermauert werden sie nicht, denn das Fundament ist brüchig und wird nur dadurch erhalten und mühsam stabilisiert, dass jedes wirklich vernünftige, weil sachlich reflektierte Argument aggressiv abgeschossen wird.

 

Auf den ersten Blick - jedenfalls den humanistischen - ist es klar, dass jegliche Gewalt, jeder kriegerische Akt vermieden werden muss. Andererseits muss Jeder sich, seine Familie, sein Volk vor Gewalt schützen und gegen Angriffe verteidigen. Auch das gebietet die Menschlichkeit. Aber es gibt eine Rangfolge, was die Möglichkeiten der Verteidigung und die Wahl der Mittel betrifft.

 

Nicht alle Mittel, die möglich sind, sind auch vom humanistischen Standpunkt aus betrachtet statthaft. Alle Mittel, die als Ziel der Verteidigung die Vernichtung des Gegners vorgeben, dienen nicht der Lösung des Konflikts, sondern letztlich nur seiner Erstickung. Aber Hass lässt sich nicht ersticken. Besser gesagt, er gärt, wo er erstickt werden soll. Vernunft hingegen braucht Raum für Visionen und Ideen.

 

Solche Visionen und Ideen müssen zwangsläufig revolutionär erscheinen. Helmut Schmidt hat einmal gesagt, "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen". Die Frage, wie oft er selbst beim Arzt war, kann er nicht mehr beantworten und ich denke, er hätte dies auch zu Lebzeiten nicht getan. Indes konnte man ihm nicht unterstellen, keine Visionen gehabt zu haben. Er hat Entscheidungen getroffen, die seinerzeit sehr umstritten waren, aber er hat sie verteidigt und selbst wenn ich, wie viele andere auch, die eine oder andere Entscheidung kritisiert habe und sie auch heute wieder kritisieren würde, so muss ich doch einräumen, dass ihm die Geschichte letztlich recht gegeben hat. Hätte er diese Entscheidungen treffen können ohne eine klare Vorstellung davon, wie Deutschland im internationalen Verbund aussehen, also welchen Stellenwert es haben soll und wie stark es nach innen sein soll. Eine politische oder soziale Vision ist ja kein fertiges Bild zukünftiger Realität, sondern eine Wunschvorstellung, die allerdings von einer klaren Sicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse abhängig ist. Und hier steht der Visionär im ständigen Widerstreit mit den sogenannten Realisten, deren Furcht vor möglichen negativen Folgen einer Entscheidung größer ist, als der Glaube an die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben könnten. Und so sind sie es, die dem Visionär das Leben schwer machen. Insofern könnte man Schmidts Worte durchaus als Mahnung deuten, sich gegen Angriffe, Verleumdungen und Spott aus allen Richtungen zu wappnen. Vieles spricht dafür, dass in den letzten 30 Jahren die Furcht die Oberhand gewonnen hat und sie bis auf weiteres haben wird.  

 

Und wie könnten nun solche Visionen aussehen? Welche Visionen habe ich? Es ist, so hochtrabend das auch klingen mag, die Vision von einer moralischen Evolution, wie es sie in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht wirklich gegeben hat. Konkurrenz wurde und wird zur Rivalität heruntertransformiert und endet heute wie zu allen Zeiten im bewaffneten Kampf, wobei die Waffen und deren Anwendung subtiler, deren Vernichtungspotential jedoch ungleich größer wurde. Die Floskel von der "geistig-moralischen Wende", wie sie von Schmidts Nachfolger im Zenith seiner eigenen Hybris postuliert wurde, fällt in dieser Vision allerdings in die völlige Bedeutungslosigkeit, weil sie von Anfang an nicht mehr als eine ideologische Luftnummer war. Eine echte Wende - sowohl geistig, als auch moralisch - braucht ein Fundament, das massiv genug ist, die enormen Kräfte, die eine solche Bewegung freisetzt, auch auszuhalten. Ein allzu starres Fundament zerbricht an den soziodynamischen Verwerfungen, die ein solcher Prozess in Gang setzt. Ein nach allen Richtungen biegsames Fundament hingegen würde dauerhaft das Gefühl von Instabilität vermitteln. Es muss also fest genug sein, Stabilität zu gewährleisten und Erschütterungen auszuhalten, aber elastisch genug, um Verwerfungen aufzufangen und Kräfte auszugleichen. In der Konsequenz bedeutet dies mehr als die Aufhebung sozialer, bzw. internationaler Hierarchien und Abhängigkeiten. Global bedeutet es eine Öffnung versteinerter Strukturen, die einen Austausch in beiden Richtungen möglich macht. Es ist also nicht die einfache Umverteilung von oben nach unten oder von Nord nach Süd, sondern die Gleichwertigkeit der Unterschiede. Es wäre das Ende all der Wettläufe um Wohlstand und der Kämpfe um wirtschaftliche, militärische und weltanschauliche Vorherrschaft.

 

 

13. Oktober 2016

 

Wenn der ganze Kampf der Systeme darauf abzielt, dass eine Ideologie am Ende gewinnen muss, wird es letztlich nur Verlierer geben. 

 

Im demokratisch parlamentarischen Prozess wird durch regelmäßig stattfindende Wahlen immer wieder eine politische Gemengelage hergestellt, die einen Querschnitt durch unterschiedliche Parteien und somit auch durch unterschiedliche Strömungen zeigt. So sehr sich die politischen Weltanschauungen unterscheiden, so sehr sind sie doch im jeweiligen System einem ideologischen Primat untergeordnet. 

 

Jahrzehntelang standen sich zwei Ideologien unversöhnlich gegenüber. Frieden herrschte nicht durch Friedfertigkeit, sondern durch Angst. Dann kam eine Phase der politischen Entspannung. Aber die Chance einer echten Annäherung beider Blöcke wurde vertan. Statt dessen hat sich auf wirtschaftlicher Ebene das stärkere System über das andere erhoben und es vereinnahmt. Die Verhältnisse schienen stabil. Die militärischen Blöcke wurden neu geordnet, besser gesagt, einer der Blöcke hat sich aufgelöst und ein großer Teil ging wiederum im augenscheinlich erfolgreicheren auf. Somit wurde quasi ein Pseudofrieden geschaffen. Denn was wir Frieden nennen und was auf den ersten Blick wie Frieden aussieht, ist nicht mehr als ein lähmender Waffenstillstand. Diese Lähmung lässt allerdings schon seit geraumer Zeit in beängstigender Geschwindigkeit nach. Das vermeintlich unterlegene System zeigt uns, wieviel - vor allem militärisches - Potenzial es nach wie vor besitzt und wie leicht es ist, einen neuen Machtblock aufbauen. 

 

Somit entstand in den letzten Jahren fast unauffällig ein neuer Machtkampf zwischen den ehemaligen Erzfeinden und es war nur eine Frage der Zeit, bis irgendwo an der Nahtstelle zwischen den Kontrahenten oder auch auf vordergründig neutralem Boden Konflikte aufbrechen, wobei die jeweiligen Kriegsparteien keinen Krieg hätten beginnen können ohne die technische und logistische Hilfe der größten Waffenproduzenten, denn die kontrollieren letztendlich das weltweite Geschäft mit dem industrialisierten Töten. 

 

Es ist wie ein monströses Strategiespiel, bei dem es darum geht, Rohstoffvorräte und Handelswege zu sichern. Dazu werden wirtschaftliche und militärische Allianzen geschmiedet ohne Ansehen der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in den jeweiligen Ländern. Möglicherweise haben sich die früher geltenden Ideologien in diesem geostrategischen Spiel in gewisser Weise angeglichen. Anders gesagt, der Kommunismus ist ein Stück weit kapitalistisch geworden. Doch während der alte Graben verschwindet, tut sich ein neuer auf. Die von den reichen Nationen kolonialisierten Länder holen sich etwas von dem zurück, was ihnen genommen wurde. Sie versuchen den umgekehrten Kolonialismus, der nicht vordergründig von ökonomischen, sondern in der Hauptsache von religiösen Motiven getragen ist. Dabei gewinnen Sie Verbündete einerseits innerhalb der NATO, andererseits in Russland. Beide Seiten mischen sich aggressiv ein und genau das werfen sie sich auch gegenseitig vor. In dieser unübersichtlichen Gemengelage verschwimmen die Grenzen zwischen den ursprünglichen und ursächlichen Konflikten. Tatsächlich, und das wird immer offensichtlicher, werden regionale Konflikte von den USA und von Russland und allen Verbündeten auf die geostrategische Bühne gehoben. Dass diese regionalen Konflikte aus uralten und von der Weltöffentlichkeit längst vergessenen Kämpfen heraus gar nicht erst entstehen müssen, sondern einfach nur immer wieder auf's Neue hochkochen, spielt in diesem hochtransformierten Szenario keine große Rolle. Der jahrzehnte- und jahrhundertelange Kampf um regionale Vorherrschaft und religiöse Alleinvertretungsansprüche sucht sich indessen einen Ausweg aus dem Dilemma, in dem er steckt. Die aus dem Konflikt erwachsende Aggression wird von den großen Spielern genutzt. Die zugrundeliegenden uralten Konflikte werden zwar randständig wahrgenommen, bleiben aber weitestgehend unreflektiert.

 

Staaten wurden künstlich geschaffen, sozusagen von den ehemaligen Kolonialmächten installiert mit willkürlich gezogenen Grenzen. Die Landkarte Nordafrikas sieht aus wie auf dem Reißbrett entworfen und großenteils ist sie das auch. Der Staat Israel wurde mitten in diese politische Erdbebenzone hineingesetzt und hauptsächlich von den USA hochgerüstet. Seit seiner Gründung 1948 lebt dieser Staat im ständigen Alarmzustand und immer wieder im Krieg. Mit verschiedenen Staaten des nahen und mittleren Ostens werden Bündnisse geschmiedet und wieder aufgekündigt, meist mit Waffengewalt. All das folgt letztendlich dem Primat der geopolitischen und geostrategischen Interessen der jeweiligen Schutzmacht und natürlich den wirtschaftlichen Interessen internationaler Konzerne, sowohl der Waffen- als auch der rohstoffverwertenden Industrie. Im Grunde spielen all diese Staaten die Bauernrolle, Dame und König sind weit weg. Aus dieser Situation heraus eskalieren territoriale wie auch ethnische und religiöse Konflikte. Vereinfacht formuliert wird der von den führenden Industrienationen angezettelte Wirtschaftskrieg nun mit einem Religionskrieg beantwortet, der in seiner Anlage dem kalten Krieg bestürzend ähnlich ist. Diese komplexe und höchst unübersichtliche Konfliktlage schlägt also auf die führenden Mächte zurück und die Folge ist ein neuer wirklicher kalter Krieg. Dieser steht so nah an einer heißen Eskalation, wie seit 30 Jahren nicht mehr. 

 

Die lange Zeit scheinbar unterlegene Ideologie versucht ihren Machtbereich wieder zu erweitern mit dem Ziel alter Größe. Wenn nun die Übermacht des kapitalistischen Systems auch nicht an ihrem eigenen Gewicht erstickt wie ein gestrandeter Wal, so wird es doch so geschwächt, dass es verletzbar wird und anfällig für jegliche ideologische Trivialisierung. Am Ende stürzt auch dieses unzerstörbar geglaubte Gebäude ein. 

 

 

 

14. Oktober 2016

 

Kinder an die Macht?

 

Es ist normal, dass Kinder schon sehr früh lernen, sich durchzusetzen, zu kämpfen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Gleichzeitig sind Kinder pausenlos auf der Suche nach immer neuen Möglichkeiten zu Spielen. So sind auch die kindlichen Raufereien nichts anderes als die Erfahrung der eigenen Kraft und in der Folge die Erfahrung, dass diese Kraft unter Umständen eben auch das Gefühl von Macht bringt.

 

Ich bin überzeugt, dass ein Kind unter günstigen Bedingungen diese Macht nicht missbraucht, um andere Kinder zu unterdrücken. Ich habe aber auch immer wieder den Eindruck, dass diese günstigen Bedingungen relativ selten im notwendigen Umfang gegeben sind. Ein Kind schafft diese Bedingungen nicht selbst, vielmehr findet es sie mehr oder weniger ausgeprägt vor.

 

In der ersten Phase seines Lebens, und diese beginnt bereits im Mutterleib, ist der Mensch in der Lage, Reize zu empfangen und zu verarbeiten und zu integrieren, jedoch nicht sie zu reflektieren. Er nimmt Reize und Muster auf und ordnet sie ein. Die Fähigkeit zur Reflexion entwickelt sich viel später. Es ist die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden. Bis dahin reagiert das Kind ausschließlich nach den Mustern, die es abgespeichert hat.

 

Dieser Aspekt erscheint mir deshalb so wichtig, weil ein Kind jedes noch so beiläufige Wort, jede noch so unscheinbare Geste, jeden noch so flüchtigen Blick wahr- und aufnimmt, gleich ob dieses Wort, diese Geste oder dieser Blick nun gut oder böse ist und ob es uns selbst bewusst ist oder nicht. Deshalb sollten wir es nicht dabei belassen, möglichst viel Gutes zu vermitteln, sondern wir sollten uns täglich beobachten, wie wir auf Worte oder Ereignisse reagieren. Denn genau das geben wir den Kindern eins zu eins mit, und zwar auch dann, wenn wir gar nicht in einer persönlichen Beziehung mit ihnen stehen.

 

Kindermund tut Wahrheit kund!“ Und es ist immer unsere Wahrheit, die wir den Kindern in ihrer Arglosigkeit vorgeben.

 

 

 

 

15. Oktober 2016

 

Ein großartiges Plädoyer für die Würde von Mädchen und Frauen kam gestern von Michelle Obama. Es war ihre Antwort auf die ständigen Entgleisungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, die ja nicht neu sind. Im vorliegenden Fall liegen sie über zehn Jahre zurück, sind aber aktueller denn je, da dieser Mann seine Gesinnung offensichtlich nicht im Geringsten geändert hat.

 

Umso bestürzender ist es zu erkennen, dass Trump ja im Grunde nur ausgesprochen hat, was Millionen von Männern, ob jung oder alt, immer schon gedacht haben und heute noch denken. Auch Ich bin mit sexistischen Sprüchen aufgewachsen und erlebe sie nach wie vor tagtäglich in meinem Umfeld. Und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich selbst diesen ganz realen Sexismus in all seinen Erscheinungsformen überhaupt je ganz erkannt und begriffen habe.

Trump äußert ihn auf seine eigene plumpe und primitive Art. Aber meistens ist dieser Sexismus viel subtiler und versteckt sich oft genug hinter aufgesetzten Komplimenten.

 
Ich hoffe, dass viele Menschen weltweit, auch in Europa und besonders in den vermeintlich ach so christlichen Gesellschaften, die Rede Michelle Obamas nicht nur hören, sondern sie sacken lassen. Sie betrifft alle Gesellschaften, alle Völker und nahezu alle Religionen.

 

 

16. Oktober 2016

 

Die einzige wirksame Antwort auf den weltweiten Herrschaftswahn ist ein radikaler Pazifismus.

 

Wie weit kann die totale Friedfertigkeit gehen? Schließt die Friedfertigkeit selbstredend die völlige Gewaltfreiheit ein? Gibt es eine Grenze, ab der totaler Pazifismus unvernünftig wird, weil er offensichtlich nicht mehr Leben schützt, sondern es preisgibt?

 

Wie kann man nun einen (radikalen) Pazifismus vertreten, ohne sich der Willkür und der Aggression derer auszuliefern, für die Gewalt in jeglicher Form nicht nur ein legitimes, sondern geradezu ein notwendiges Mittel der Politik und des sozialen Umgangs zur Erreichung gemeinsamer oder auch ganz persönlicher Ziele ist? Die Frage, die sich hier stellt, ist die nach den Voraussetzungen für die Entstehung radikaler bzw. extremistischer Bewegungen. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit eine Strömung, egal aus welcher Richtung, zur Bewegung wird und sich radikalisiert? Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit radikale Ideen in militantes Vorgehen münden? Und - als Gegenfrage - was muss gegeben sein, damit eben genau das nicht passiert? Das wäre die Grundlage für eine radikale Abkehr von der universellen Religion der Gewalt, der Vergeltung und der Vernichtung hin zu einer zutiefst spirituellen Erfahrung der Einheit.

 

Ich fordere hiermit nicht mehr und nicht weniger als eine Pazifistische Radikalisierung. Was kann sie möglich machen und wodurch wurde sie bis jetzt mit Erfolg verhindert? Das soziale Verhalten wird sehr früh, bereits in den ersten Lebensjahren geprägt. Kinder übernehmen dieses Verhalten, weil sie noch nicht in der Lage sind, es zu bewerten. Kinder sind aus sich selbst heraus unbefangen und neugierig. Ethische Gesichtspunkte spielen dabei keine Rolle, weil es für das Kind keinen Gegensatz zu einer reinen im Sinne einer humanistischen Ethik gibt. Es geht also überhaupt nicht darum, dem Kind ein Verständnis für Ethik zu vermitteln. Vielmehr will es in seiner vollkommen selbstverständlichen Ethik begriffen und angenommen werden. Das Ziel kann insofern gar nicht die Erziehung zu einer solchen Ethik sein, sondern das Verstehen dessen, was im Wesen des Menschen von Anfang an angelegt ist. Nur auf dieser Basis kann überhaupt eine darüber hinausreichende Erziehung stattfinden und erfolgreich sein. Dies bedeutet aber auch, dass eine Erziehung, egal in welchen Lebensbereich, nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Erziehenden, also Eltern, Lehrer und das gesamte soziale Umfeld diesen Wesenskern erfasst und verstanden und ihn für sich angenommen haben. Dieses Erkennen und Annehmen muss spätestens mit der Geburt, im Grunde schon vor der Geburt erfolgen. Eine quasi Umerziehung in der Schule, die dann ja vielmehr eine Rückführung bedeuten würde, ist so gut wie unmöglich. Das größte und gefährlichste Hindernis liegt also in der Familie. Es ist die Denkfaulheit, die den Kindern vorgelebt wird. Es werden fertige Denkgebäude hingestellt, in denen es sich die Kinder möglichst bequem einrichten sollen, wobei es in allererster Linie nicht um die Bequemlichkeit der Kinder geht, sondern um die der Erwachsenen.

 

Das Wichtigste, wozu wir uns durchringen müssen, ist die Anerkennung der Naivität als elementares Wesensmerkmal des Menschen, eben weil er vernünftig ist. Was gibt es Größeres als die naive, weil im Wesenskern verankerte Vernunft, die für sich von Anfang an nur den Frieden kennt, bevor dieser mit Unvernunft und Wahnsinn vergiftet wird?

 

 

17. Oktober 2016

 

Früher haben wir ganze Kontinente geknechtet. Als wir sie nahezu völlig zerstört hatten, haben wir sie in die Unabhöngigkeit entlassen und ganz selbstverständlich erwartet, dass diese Völker uns auf Knien danken und sofort eine Demokratie nach unserem Muster aufbauen. 

 

Aber was was haben wir Ihnen beigebracht?

 

Wir haben sie gelehrt, wie eine stärkere Gruppe die schwächere mit Hilfe von Waffen unterdrückt. Und wir haben ihnen beigebracht, wie man die Waffen richtig einsetzt, um am Ende der Stärkere zu sein und es auch zu bleiben. Dann haben wir der schwächeren Partei gezeigt, wie man mit den richtigen Waffen die Stärkeren besiegt, um selbst der Stärkere zu sein.

 

IIm Grunde werden diese Völker immer noch in Abhängigkeit gehalten. Selbst über den Frieden zwischen den verfeindeten Gruppen wird anderswo entschieden. Es geht nicht um die Interessen der Betroffenen Völker, sondern um den Profit der Nationen, die weiterhin ihre Gier und ihren Machthunger ausleben. 

 

 

 

18. Oktober 2016

 

Ein auf wirtschaftlicher, politischer oder religiöser Herrschaft basierendes System kann nicht überleben, wenn es nicht von elementaren humanistischen Werten getragen ist. 

 

Wofür gebrauchen wir unsere Intelligenz?  Diese ist jedem von uns gegeben und unterscheidet sich nicht so sehr in ihrer Gesamtausprägung, sondern in ihrer Gewichtung verschiedener Wesensfelder. Der sogenannte "Intelligenzquotient" ist nicht mehr als ein Schätzwert. Da die Testmethoden standardisiert sind, kommt es zwangsläufig zu Fehleinschätzungen und fragwürdigen Beurteilungen. Intelligenz wird allzu oft daran gemessen, wie gut oder weniger gut ein Mensch den Anforderungen gerecht wird, die an ihn gerade gestellt werden. Mit dem Eintritt in die Schule beginnt die Einordnung in Noten. In vielen Fällen ist eine solche Benotung schlichtweg absurd. Kann man Musikalität daran bewerten, wieviel ein Schüler über Musikgeschichte und Notenschlüssel weiß? Kann man künstlerische Begabung daran messen, wie schnell ein Schüler im Fach "Kunsterziehung" (allein der Begriff ist schon absurd) ein Bild nach den Vorstellungen des Lehrers fertigstellen kann? Da bekommt dann ein eigentlich faszinierendes Bild eine schlechte Note, weil es nicht rechtzeitig fertig wurde. Solche Noten fließen dann in ein Gesamturteil ein, an dem der Betroffene unter Umständen zeitlebens gemessen wird, und sei es nur durch die Tatsache, dass er sich aus diesen Korsett nicht befreien konnte und von seinen Selbstzweifeln ausgebremst wurde. 

 

Kreativität ist nur dann erwünscht, wenn sie sich innerhalb des vorgegebenen Rahmens bewegt. Der Mensch hat innerhalb dieses Rahmens zu funktionieren. Soziale Kompetenz bzw. Intelligenz werden nicht benotet, sondern nur das theoretische Wissen darüber. Soziale und wirtschaftliche Aufstiegschancen sind abhängig von Schul- und Universitätsabschlüssen.

 

Ein Priester muss keinerlei soziale Kompetenz besitzen, er muss sich nur daran halten, was Dozenten und Professoren ihm an Deutungsspielraum vorgeben. Ein Unternehmer kann ein rücksichtsloser Egoist sein, es wird seinen Erfolg nicht schmälern. Im Gegenteil, es hilft ihm eher bei der Erreichung seiner Ziele. Ein Jurist hat nicht nach seinem Rechtsempfinden zu urteilen, sondern nach den betreffenden Gesetzbüchern. Juristische Formfehler entscheiden so manchen Prozess zugunsten eines Täters, obwohl seine Schuld offensichtlich ist. Andererseits ist es eine Folge der vertheoretisierten Erziehung, dass Qualitäten wie Menschlichkeit, Empathie und Vertrauen eher eine randständige Rolle spielen. Der Verzicht auf den eigenen Vorteil zugunsten eines anderen Menschen wird als Schwäche und Naivität ausgelegt, wobei Naivität hier ausschließlich einen negativen Beigeschmack hat.

 

Wenn es schließlich um Humanismus geht, reicht in der Regel das Wissen um die Personen und deren Schriften. Eine Übersetzung auf die eigene Person und das eigene Handeln ist primär nicht gefragt, vielmehr wird viel Zeit darauf verwendet, humanistische Ideen zu relativieren und zu widerlegen. Der Humanismus wird somit zur Verschiebemasse zwischen den Ideologien. Er wird immer dann bemüht, wenn es darum geht, das Verhalten der Gegenseite zu verurteilen und die eigene Gewalt mit dem vermeintlich höheren Ziel zu rechtfertigen. Letztlich wird der Humanismus in seiner ganzen Strahlkraft, seiner übermenschlichen Einfachheit und seiner überirdischen Menschlichkeit zur Konkursmasse einer von sich selbst entfremdeten Gesellschaft.

 

Das Ergebnis sind Herrschaftssysteme, die dem den meisten Erfolg bescheren, der bereit ist, seine Menschlichkeit der angeblich höheren Wahrheit zu opfern.

 

 

 

 

19. Oktober 2016

 

Denke groß, dann weißt Du, wie klein Du bist.

Viel wird darüber spekuliert, warum vor allem wir Deutsche so viel Angst haben, vor Krieg, vor dem wirtschaftlichen Niedergang, vor Fremden und ganz diffus vor der Zukunft. Aber ist diese Angst wirklich typisch deutsch? Ich habe meine Zweifel daran. 

Wir beobachten nicht erst in jüngster Zeit eine Renaissance rechter Gesinnung bis in die höchsten politischen Ebenen. Immer mehr Staaten driften in einen engstirnigen und kurzsichtigen Nationalismus, der nicht auf Öffnung zielt, sondern im Gegenteil auf Abschottung. Das Bestürzende daran ist, dass dieser Nationalismus jegliche Öffnung nicht nur ängstlich ablehnt, sondern sie mit wachsender Aggressivität bekämpft. Die Folge ist ein immer enger werdender Blick sowohl auf die eigene Parzelle, als auch auf die Zukunft einer hermetischen Gesellschaft. Jeglicher Austausch wird unterbunden, die Luft wird immer dicker und jeder Einzelne ist zunehmend damit beschäftigt, nach Luft zu schnappen und sie Anderen abzudrücken. Aber genau dadurch wird der Mensch selbst immer kleiner, weil seine Welt immer kleiner wird. Er ist nicht der Riese unter Zwergen, sondern er ist in Wirklichkeit selbst der Zwerg, der Angst vor den Riesen hat, denen er noch nie begegnet ist, weil sie nur in seiner Phantasie existieren. Weil er in seiner Isolation jeglichen Kontakt vermeidet, gibt es auch keinerlei Korrektiv für seine Gedanken, die sich im Laufe der Zeit zu in sich geschlossenen Komplexen verdichten. Ideen werden in seiner Vorstellung zur Gewissheit. 

Wer sich selbst in seiner zu kleinen Welt groß denkt, entwickelt Machtphantasien, weil er vermeintlich über allem steht. Wer dagegen die Welt mit ihren Farben, ihrer Vielfalt und Schönheit und mit all ihren Möglichkeiten größer denkt und sich selbst darin als das sieht, was er ist, der entwickelt Demut und daraus schließlich Mut, all diese Möglichkeiten zu entdecken. Er sieht sich nicht selbst als den Dreh- und Angelpunkt allen Werdens, sondern die Welt als instabilen Kosmos, den er mit seinem Handeln zwar nicht vollkommen kontrollieren, aber sehr wohl zerstören kann. Die Zerstörung aber kann er nur verhindern, wenn er den Wert erkannt hat. So instabil sein eigener Kosmos ist, so anfällig er auch für Zerstörung ist, so offen ist er auch für Visionen und wahrhaft existenzielle und fundamentale Veränderungen. 

Erkenne und akzeptiere, wie klein Du bist, dann kannst Du über Dich hinauswachsen. 

 

 

 

 

20. Oktober 2016

 

Katholizismus, Islamismus, Humanismus - das sind Ideen, Ideen von Macht und Kontrolle, oder im Gegenteil von Freiheit und Menschenwürde. 

 

Man kann eine Idee künstlich in Gesetze gießen und zementieren. Aber eine Idee kann man nicht endgültig zerstören, denn sie entsteht im Kopf und wird durch Emotionen genährt. Sind die Emotionen mächtig genug, wird die Idee gegen alle Widerstände überleben, auch wenn sie unterdrückt und sabotiert wird.

Man kann eine Idee nicht weg bomben. Man muss die Verhältnisse in der Gesellschaft ändern, dann wird die Idee obsolet. Etwa so hat es der Kabarettist Hagen Rether mal ausgedrückt. Aber was heißt das? Ganz einfach, es reicht nicht, immer wieder darüber zu reden und zu lamentieren, wie weit wir vom Ideal unserer Idee entfernt sind. Eine Idee spiegelt ja nicht die bestehenden Verhältnisse, also die momentane Ordnung. Vielmehr konterkariert sie das vermeintlich Selbstverständliche. Die Idee sozialer Gerechtigkeit verliert in dem Maße an Kraft, in dem die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse gerechter werden. Verschlechtern sich die Verhältnisse, gewinnt die Idee neuerlich an Kraft. Die meisten Ismen sind dabei recht abstrakt. Ob religiöser oder politischer Fundamentalismus, die Idee an sich ist von ihrem ersten Aufflackern an durch Interpretationen und Auslegungen ständigen Veränderungen unterworfen. Je abstrakter die Idee, desto unterschiedlicher und letztlich unversöhnlicher sind die Ansichten. Nehmen wir den Humanismus als Idee einer gerechten und friedlichen Welt, wird klar, wie weit wir von diesem Ideal entfernt sind. Jeder der heute so angesehenen großen Humanisten hatte seine ureigene Idee. Und oft genug konnten sie dem allen gemeinsamen Ideal nicht standhalten. 

 

Haben wir überhaupt begriffen, wie weit wir von einer humanistischen Gesellschaft, einem humanistischen Menschenbild entfernt sind? Haben wir überhaupt den Humanismus begriffen?

 

Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Aber wer kennt die großen Humanisten? Wer hat sie gelesen? Es sind wohl nur wenige. Aber wieviele von den wenigen, die sie gelesen haben, haben sie auch verstanden? Was nützt es, wenn wir die Schriften von Dante, Luther, Hans Sachs oder Erasmus von Rotterdam lesen, wenn wir deren Sprache nicht verstehen, wenn wir nicht begreifen, worum es ihnen im Kontext der damaligen Zeitläufte ging? Warum gehen wir nicht einfach zurück zum Begriff an sich, Humanismus? Das Wort kommt aus dem Lateinischen, und zwar von Humanitas gleich Menschlichkeit, also von Homo gleich Mensch. Der Mensch steht also als Maß wie auch als Ziel im Zentrum allen Denkens. Bei allen Unterschieden muss Eines allen gleich sein. Niemand ist besser als die Anderen, nur weil er der vermeintlich besseren, weil erfolgreicheren Ideologie oder Religion anhängt. Vor allem müssen wir damit aufhören, die Ideale der Humanisten zu pervertieren, indem wir sie in unsere heutige antihumanistische Rhetorik übersetzen. 

 

Wir sollen also Menschlichkeit entwickeln und zum Blühen bringen mit all ihren Auswüchsen, anstatt sie unter der Illusion von Macht und Größe zu begraben. 

 

 

 

 

 

21. Oktober 2016

 

Es ist seltsam. Alle wollen Frieden, aber keiner will es zugeben. 

 

Egal, wo man hinschaut in allen Teilen der Welt, es reden alle davon, Frieden zu schaffen, Frieden zu halten oder Frieden zu fördern und zu fordern. Die, die am lautesten reden, sind bin an die Zähne hochgerüstet. Und die, von denen Frieden verlangt wird, werden von denen, die den Frieden fordern, mit Waffen versorgt. Gleichzeitig werden, die, die uns daran erinnern, dass Frieden nur ohne Waffen möglich ist, beschimpft und verhöhnt. 

 

"Frieden schaffen ohne Waffen" war der Leitsatz der Friedensbewegung seit den 80er Jahren. "Frieden schaffen mit immer weniger Waffen" war die Antwort der vermeintlich vernünftigen Politiker, die immer schon für sich in Anspruch nahmen, die Weltlage realistisch und frei von Illusionen zu erkennen. Dieser angebliche Realismus geht von der Politik aus durch die gesamte Gesellschaft. Frieden scheint nur dann möglich zu sein, wenn eine Partei mit militärischen Mitteln siegt und den Gegner in die Knie zwingt. 

 

Aber was ist das für ein Frieden? Nüchtern betrachtet ist es ein Waffenstillstand, der entweder auf der totalen Übermacht einer Partei oder auf einem "Gleichgewicht des Schreckens" beruht. Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Die Figuren sind austauschbar, die Verbündeten wechseln, Gegner werden zu Partnern und Freunde werden zu Feinden. 

 

Diesen Status Quo zwischen den Kämpfen als Frieden zu bezeichnen verhöhnt die Opfer und macht gleichzeitig den Gedanken an einen wirklichen Frieden überflüssig. Aber selbst wenn der Gedanke disqualifiziert wird, der Frieden als schiere Möglichkeit bleibt im Hintergrund lebendig als frommer Wunsch zu Weihnachten. Jeder will ihn, aber Niemand hält ihn für möglich. Letztlich wird Pazifismus zur Illusion und der Pazifist wird zum Gutmenschen gestempelt. 

 

Ich bin Pazifist und ich will ein Gutmensch werden, eben weil ich Realist bin. 

 

 

 

 

22. Oktober 2016

 

"Ich glaube, dass die einzig wahre Religion darin besteht, ein gutes Herz zu haben."

 

So sagt es der Dalai Lama. Es gibt viele Möglichkeiten, diese Wahrheit auszudrücken. Jede Religion hat ihre Formeln und Glaubenssätze. Jede Religion nimmt für sich in Anspruch, im Besitz der einen und einzigen Wahrheit zu sein und es zeugt nicht unbedingt von tiefer Erkenntnis, dass die Einigkeit aller Religionen in der Frage von Frieden und Nächstenliebe geradezu verbissen verleugnet wird. In allen religiösen Gemeinschaften werden große Mystiker verehrt. Das Absurde daran ist, dass diese Menschen, deren Wort vielfach zum Ideal hochstilisiert und damit aus dem Bewusstsein des Machbaren wird, zu Lebzeiten verfolgt, verbannt und oft genug ermordet wurden. Heute wie damals wird die Sehnsucht nach vollkommenem Frieden zu einer frommen, aber unrealistischen und irrationalen Wunschvorstellung herabgewürdigt.

 

Der Mystiker stand immer und steht auch heute über der Religion. Seine allerhöchste Aufgabe besteht darin, die Religion aus sich selbst herauszuführen, sie quasi aus ihrem Korsett zu befreien und in eine universelle Spiritualität einzubetten. Religion kann bestenfalls ein Aspekt des Ganzen sein. Ein Festhalten an der Religion hindert uns daran, erwachsen zu werden.

 

Ein Kind wird nie erwachsen, wenn es nicht fragt, wenn es nur an dem festhält, was ihm als Wahrheit vorgekaut wird. Religion wiederum wird nicht erwachsen, wenn sie nicht hinterfragt, sondern sich ängstlich rückwärts wendet. Ein Kind, das nur lernt, ohne zu staunen, bleibt einsilbig und traurig. Religion, die den Zweifel und das Staunen nicht zulässt, wird fanatisch und freudlos.

 

Spiritualität finden heißt das staunende Kind in sich wiederzuentdecken.

 

 

 

23. Oktober 2016

 

Es ist oft viel einfacher, dem Gegner eine runterzuhauen, als ihm die Hand zu reichen. 

 

Wir sprechen von "Zivilcourage", wenn es darum geht, Andere an der Ausübung von Gewalt, ob physisch oder psychisch, zu hindern. Aber welche Mittel nutzen wir? Zivilcourage bedeutet, Position zu beziehen und diese Position zu verteidigen. Viele Mittel dazu sind legitim, aber nicht alle Mittel, die wir wählen, sind auch in der Außenansicht vertretbar. 

 

Das wichtigste, weil von außen betrachtet friedlichste Mittel ist das Wort. Es bietet alle Möglichkeiten zwischen Diplomatie und Konfrontation. Worte können versöhnen, aber auch verletzen und vernichten. Oft sind es die gleichen Worte, die uns mit den Einen verbinden und uns mit den Anderen entzweien.

 

Wenn Worte in Taten münden, wenn Gesten zu Handlungen werden, verliert die Diplomatie an Kraft. Reale Konfrontation beginnt mit ebensolchen Worten. Es ist gleichgültig, wer den ersten Schritt aus der Deckung macht. Gewalt entsteht durch Worte und Gesten von beiden Seiten. Die Eskalation ist unausweichlich, sobald Beide zum Einsatz von Gewalt bereit sind. 

 

Genau das ist der Moment, in dem die Partei umkehren muss, die wirklich den Frieden halten will. Jeder Akt der Gewalt, und wenn er noch so hehren Zielen zu folgen vorgibt, führt zu noch mehr Aggression, die sich irgendwann entlädt.

 

Wer sich dem Angreifer in den Weg stellt, wird selbst angegriffen. Wer dem Feind mit Worten begegnet, macht sich selbst angreifbar. Wer dem Gegner die Hand reicht, kann nicht mehr zuschlagen. Wer die Arme öffnet, gibt jeden Schutz auf. Dies sollten wir uns klar machen, wenn wir uns einem Angriff entgegenstellen. Und dennoch muss das Wort vor allem anderen stehen.

 

Mit Gewalt zu antworten erzeugt nur noch mehr Gewalt. Worte können entwaffnen und Gesten können versöhnen. Diesen Mut aufzubringen ist wahre Zivilcourage. 

 

 

 

25. Oktober 2016

 

"Wir leben in Europa seit nunmehr 71 Jahren im Frieden!" 

 

Mit dieser Aussage ist quasi ein stets präsenter, wenn auch zumeist unausgesprochener Imperativ verbunden. "Wir müssen alles tun, um diesen Frieden zu erhalten!" Diese Forderung an uns Alle greift auch in alle politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Prozesse ein. Egal in welchen Bereich unseres Zusammenlebens wir blicken, wir landen unausweichlich früher oder später bei diesem Imperativ.

 

All das ist Selbstbetrug in einem geradezu historischen Ausmaß. Europa befand sich zu keinem Zeitpunkt nach 1945 im völligen Frieden. Wir leben in einer Idealvorstellung, die wir paradoxerweise selbst nicht wirklich für möglich halten. Der Frieden war in dieser gesamten Zeit nicht mehr als ein mit Gewalt und Angst erzwungener Waffenstillstand, der sich immer wieder ein Ventil suchte. Nach der Auflösung politischer Blöcke kam es zu ethnischen Konflikten, die bis heute nicht befriedet sind. Im Namen der Religion und im Namen Gottes wurde und wird bis heute um Vormacht und Herrschaft gekämpft. 

 

Schiebt man die Konflikte an den Rändern Europas mal aus dem Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit, so kann man daran festhalten, dass die alten Feindschaften in Kern-Europa überwunden sind. Aber ehrlich betrachtet ist auch das eine Illusion. Wir führen einen Kampf der Kulturen, der nationalen Biographien und versuchen, mit Verträgen einen Status Quo herzustellen und stabil zu halten.

 

Wir pflegen einen intensiven kulturellen Austausch, auch innerhalb Europas. Wir lernen fremde Sprachen. Menschen aus verschiedenen Religionen leben nebeneinander und miteinander bis in die kleinsten sozialen Gefüge. Wir fördern und pflegen die Neugier und wir trainieren das Verständnis. Wir reisen in die ganze Welt, aber so oft und so weit wir auch verreisen, wir bleiben die selben. So viel wir auch ausprobieren, wir kehren immer wieder zum Gewohnten und in unseren sicheren Mikrokosmos zurück. Christen, die zum Islam konvertieren, bleiben im innersten Kern Christen. Gläubige, die ihrer Religion den Rücken kehren und jeglicher Spiritualität abschwören, behalten ihre innersten und elementaren ethischen Maßstäbe. Diese Maßstäbe können sie nicht zurücklassen, auch wenn sie das Gebäude verlassen.

 

Folglich wird Jeder, der uns mit seinen Wahrheiten, seinem Glauben, seiner politischen Ausrichtung konfrontiert, die unseren eigenen widersprechen, in uns etwas auslösen, das anfangs nur Unmut und Argwohn bedeutet. Aber dieses ungute und dabei noch leicht zu beherrschende Gefühl kann den Biden bereiten für Überheblichkeit, Machtstreben und letztlich auch Angst. Das ist der Boden, auf dem die politischen und religiösen Brandstifter ihre Saat ausbringen.

 

Machen wir uns nichts vor. Jeder noch so peinlich unterdrückte Konflikt kann jederzeit eskalieren. Wir erleben gerade im eigenen Land, dass die Waffen schärfer werden. Auch wenn wir das Millieu verändern, der Boden bleibt der gleiche und wir müssen ihn immer wieder umgraben und bearbeiten. Andernfalls kehrt er immer wieder in seine ihm eigene Form zurück. 

 

 

 

26. Oktober 2016

 

Wieviel Geld und Luxus muss man verlieren, um zufrieden zu sein?

 

Nein, das ist kein Schreibfehler, keine Verwechslung. Wenn ich lese, dass der Libanon mit gerade mal 6.000.000 Einwohnern 2.000.000 Flüchtlinge aufnimmt, also ein Drittel seiner Bevölkerung, während Europa mit seinen 520.000.000 Einwohnern bereits an weniger als einem Prozent scheitert, frage ich mich ernsthaft, wovor wir eigentlich wirklich Angst haben. Der Absturz in die kollektive Armut kann es nicht sein. Es gibt drei Gründe, warum sich reiche Nationen gegen Flüchtlinge wehren, Angst, Neid und Dummheit. 

 

Seit Jahrzehnten tobt ein Verteilungskrieg mit immer brutaleren und menschenverachtenderen Auswüchsen. Vor allem in Europa ist dies ein kalter Krieg, der sich täglich in bedrückenden Bildern von wachsender Armut offenbart. Blickt man in die sogenannte dritte Welt, wird die perverse Absurdität des internationalen Kapitalismus noch offensichtlicher. Hier findet ein Vernichtungskrieg statt. Das Grundmotiv für diesen wirtschaftlichen Genozid lautet Rassismus. Ganze Landstriche werden verwüstet, Kontinente werden wirtschaftlich massakriert. Gleichzeitig werden mit den Waffen internationaler Rüstungskonzerne Bürgerkriege angezettelt, Staaten ausgebombt und Völker ausradiert, um den Hunger der reichen Industrienationen nach noch mehr Reichtum und Macht zu befriedigen. Industriell bedingter Klimawandel, daraus resultierende Naturkatastrophen und Kriege, die von uns weit entfernt geführt werden, schaffen eine immer größer werdende Armut und führen letztendlich zu einem weltweiten Kampf um's nackte Überleben und zu gigantischen Wanderungsbewegungen. 

 

Noch kommen hauptsächlich Kriegsflüchtlinge zu uns. Aber in den letzten Jahren wächst auch die Zahl der sogenannten "Wirtschaftsflüchtlinge". Es ist ein himmelschreiender Zynismus und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn diese Menschen, die durch unsere Gier in die Armut getrieben wurden und letztlich auch vor Krieg, wenn auch in einer anderen, nämlich wirtschaftlichen Form, flüchten, als Schmarotzer verunglimpft und erneut gedemütigt und vertrieben werden. Hier setzt sich der Rassismus in seiner gemeinsten und zynischsten Form durch.

 

Angst, Neid und Dummheit - mehr braucht es offenbar nicht. Neid ist bei denen am stärksten, die etwas zu verlieren haben. Die Angst, etwas zu verlieren, worauf man vor allen Anderen einen selbstverständlichen Anspruch zu haben glaubt, macht die Menschen blind und taub für die tatsächlichen Verhältnisse. Die Dummen schließlich plappern die Parolen nach, ohne darüber auch nur einen Moment nachzudenken. Am Ende retten sie sich in abstruse Verschwörungstheorien. 

 

Tatsache ist, dass soziale Ungleichheit und fortschreitende Armut in immer breiteren Bevölkerungsschichten nicht erst durch die Flüchtlinge entstanden ist, ja nicht einmal durch die sogenannten Gastarbeiter in den 60er und 70er Jahren. Im Gegenteil, vieles spricht dafür, dass sie den wirtschaftlichen Aufschwung hierzulande gehalten haben, wo er sonst schon viel früher wieder abgeflaut wäre. Sie sind damals einfach nur dem Lockruf eines bescheidenen wirtschaftlichen Wohlstands gefolgt. Heute folgen Millionen Menschen der Hoffnung auf nichts weiter als das nackte Leben. Die Menschen damals wollten es besser haben. Die Entwurzelten, Gequälten und an Leib und Seele Verwundeten, die heute überall auf der Welt fliehen, wollen einfach nur leben.

 

Wenn wir als Nation und Teil eines unendlich reichen Kontinents diesen Menschen das geben, was sie für ein menschenwürdiges Leben brauchen, dann fehlt uns Nichts, sie aber sind reich und wir können Ihnen damit etwas von dem zurückgeben, was wir Ihnen über Jahrzehnte und Jahrhunderte genommen haben. 

 

Wir sind es Ihnen schuldig. 

 

 

 

27. Oktober 2016

 

Diplomatie verhindert keine Kriege, sie hilft nur, die konkurrierenden Mächte einigermaßen im Gleichgewicht zu halten. 

 

Ich bin immer wieder erschüttert und wütend zugleich, wenn ich Bilder von zerbombten Städten, verstümmelten Menschen und Leichen sehe. Wenn ich dann höre oder lese, dass sich die Supermächte auf dem Rücken der Opfer gegenseitig belauern, dass sie wieder einen Waffenstillstand aushandeln, um ihren Einfluss zu vergrößern, und wie sie ihn immer wieder brechen, um ihre Macht zu demonstrieren, wird mir schlecht und ich merke, dass mir die Worte ausgehen, die meinen Abscheu zu beschreiben. Länder wie Syrien, der Irak, Afghanistan und Libyen sind nur kleine Figuren im großen Spiel wirtschaftlicher und militärischer Supermächte. Dieses infantile Geplänkel zwischen Russland und den USA mit ihren wechselnden Allianzen, dieses Geschachere um geopolitische und geostrategische Vorteile wäre einfach nur lächerlich und peinlich, wenn nicht so viele Leichen dabei zurückbleiben würden.

 

Appelle werden gehört und von der einen Seite mit Applaus bedacht, um vom Gegner bekämpft als frommes Gutmenschengefasel verhöhnt zu werden. Die reichsten Nationen mit all ihrer wirtschaftlichen Macht und all ihren Waffen könnten diese Kriege beenden, indem sie nicht länger Terror und Zerstörung als zynisches Spiel zur Pflege ihrer kranken Machtphantasien missbrauchen würden.

 

Die Welt ist zum Spielball wahnsinniger Narzißten geworden.

 

 

 

28. Oktober 2016

 

Aufrechte Patrioten wollen unsere Nation und unser Volk retten. Das ist schon gespenstisch. 

 

Diese Leute sind derart fanatisiert, dass sie für kein Argument der Welt zugänglich sind. Diese Leute führen Krieg gegen die Vernunft, gegen die Intelligenz und gegen die Menschlichkeit. Diese neue Qualität von Schmutz, Lügen und maßloser Aggression macht mir Angst. 

 

Ja, ich habe Angst vor diesen Leuten. Die reden von Demokratie nach Schweizer Muster und haben dabei gar nicht kapiert, wie diese Form der Demokratie überhaupt funktioniert. Das können sie auch gar nicht, weil sie ja die Medien, die es erklären würden, als Lügenpresse und Dreckspack ablehnen. Diese Leute verdienen keine Demokratie, weil sie weder  Geist, noch Wert verstanden haben. Sie fordern das Gesetz der Straße und ihre Sprachrohre sind Compact, Springer und Kopp-Verlag. 

 

Man kann diese grenzdebilen Intelligenzverweigerer nicht zu irgendeiner sachlichen Diskussion einladen, weil sie alles ablehnen, worauf unsere Gesellschaft gründet, vor allem Fairness. Sie fordern die Demokratur des Pöbels und die Aufhebung rechtsstaatlicher Grundsätze. 

 

Ich will eine Auseinandersetzung, die nach Lösungen sucht. Ich will eine lebendige Demokratie,  die auch Kritik erträgt, und zwar auf allen Seiten. Ich will eine Diskussion, die nachhakt, ohne zu verletzen, die Fehler und Missbrauch von Macht bloßstellt, ohne zu zerstören. Ich will meinen Beitrag leisten für eine offene, freundliche und tolerante Gesellschaft, die über den eigenen Gartenzaun hinausblickt. 

 

Ich will nicht unter einer hermetisch abgeschotteten Käseglocke leben, in deren trister Enge die Kultur erstickt und in deren Vakuum der Irrsinn explodiert. 
Ich will keine braune Alternative gegen Deutschland. 
Ich will keine PEGIDA, in deren Vorstellung vom christlichen Abendland tiefste Nacht herrscht. 
Ich will nicht in einem Land leben, in dem eine pseudointellektuelle, pseudofeudalistische und totalitäre Herrenrasse alles ausmerzt und vertreibt, was nicht ihrem mittelalterlich kruden Welt- und Menschenbild entspricht. 
Ich will nicht in einem Land leben, in dem die Menschen gleichgeschaltet werden. 
Ich will nicht, dass psychisch Kranke und Behinderte ins Abseits gedrängt und mit Brosamen abgespeist werden. 

 

Das alles will ich nicht. Aber ich habe Angst, dass genau das passiert, wenn wir nicht aufhören, diese Kreuzritter der Unkultur wie besorgte Demokraten zu behandeln. Diese Faschisten müssen endlich spüren, dass sie hier nicht erwünscht sind. 

 

PUNKT!

 

 

 

29. Oktober 2016

 

Wir reden jeden Tag vom Wahnsinn des Krieg und merken gar nicht, wie sehr wir dieses Prinzip inzwischen verinnerlicht haben. 

Krieg ist nicht nur bewaffneter Kampf verfeindeter Staaten oder verschiedener Gruppen in einem Staat, Krieg ist auch und in einer erschreckenden Größenordnung der Kampf einzelner Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft. Jeder Einzelne versucht, mehr oder weniger erfolgreich, im andauernden Konkurrenzkampf zu bestehen und besser zu sein als Andere, oder wenigstens so zu tun.

 

 

 

30. Oktober 2016

 

Seit Jahrtausenden folgen die Menschen einer alles beherrschenden Maxime, die lautet "Macht". Land wurde erobert, vernichtet und wieder aufgebaut, um es erneut zu zerstören. Götter wurden erkannt und verworfen, neue Götter wurden erfunden. Herrscher wurden mit Göttern gleichgesetzt. Immer wurde Krieg geführt, zuerst im Kleinen und im Laufe der Geschichte immer mehr im Großen. Es verging kein Jahr ohne Krieg, angefangen mit Stammeskämpfen bis hin zur globalen Massenvernichtung. Das, was als "Frieden" bezeichnet wird, war nicht mehr als ein Atemholen, ein mehr oder weniger freiwilliger Waffenstillstand. Und daran wird sich nichts ändern, solange die, die den Frieden ernst nehmen und für die Nächstenliebe mehr als ein frommer Wunsch ist, der mit ein paar Weihnachtsliedern ein alljährliches Update bekommt, als weltfremde Phantasten abgebügelt werden und solange Kinder auf Kampf programmiert werden, weil ihnen die Welt als Arena für den Kampf um Sein oder Nicht-Sein dargestellt wird. Wir haben sogar unsere Götter zu Kriegsherren, zu übermenschlichen Feldherren stilisiert, die letztlich doch wieder menschlich und fehlbar sind. Und am Ende sind es auch wieder die Götter, die für das Scheitern, die Not und das Elend verantwortlich gemacht werden.

 

Menschen Deutschlands, Menschen Europas, Menschen der Welt, es ist genug, genug des Elends, genug des Sterbens, genug des unermeßlichen Leids, des Weinens und der Trauer. 

 

Es ist genug der Früchte menschlichen Größenwahns. Seine Hybris schreit zum Himmel und spottet jeder noch so weichgespülten, geschmierten und glattgekämmten Phrase. Seht Euch an, was Euere genialen Geister erschaffen haben an Musik und Poesie, aber auch an Technik, Medizin und all den anderen schönen, nützlichen und segensreichen Dingen. Und dann seht Euch an, was daraus gemacht wurde. Musik wird zum Aufpeitschen der Massen missbraucht, Poesie wird zu Schlachtgesängen und Hassparolen und das Wiegenlied wird zum Abgesang. Die Medizin bemüht sich nach Kräften und mit gigantischem finanziellen Aufwand, Leben zu ermöglichen, zu erhalten und zu verlängern, während die Wenigsten auch nur einen flüchtigen Blick darauf werfen, was dieses Leben für eine immer größer werdende Zahl von uns bedeutet. Die Chemie "erfindet" neue "Lebensmittel" und sorgt für eine immer monströsere Landwirtschaft, die in Wahrheit den Namen "Landvernichtungswirtschaft" verdient, wobei nicht mehr der Nutzen für das Leben im Vordergrund steht, sondern die Befriedigung der Massen durch Masse. Fruchtbare Erde wird ausgelaugt und vergiftet. Nicht mehr die optimale Qualität von Nahrung und Wasser steht im Vordergrund, sondern die Einhaltung von willkürlich erweiterbaren Grenzwerten. Tiere und Pflanzen werden ausgerottet, während gleichzeitig neue Arten "erfunden" werden, die nur dazu dienen, möglichst schnell essbar zu sein. Technik schließlich, die ursprünglich zur Verbesserung der Lebensverhältnisse entwickelt wurde, wurde bereits kurz nach ihrer Entwicklung gegen die Menschen gewandt und wird es bis heute.

Menschen in Deutschland, Europa und der Welt, es ist genug. Die Erde ist ausgelaugt und schüttelt sich in Fieberkrämpfen. Die Bevölkerung wächst, während ihr Lebensraum immer kleiner wird. Kinder werden in Liebe gezeugt, mit der Hoffnung auf Leben geboren und dann zu Abermillionen verlassen, gequält und dem Tod preisgegeben. Anstatt sie Nächstenliebe, Demut und Versöhnung zu lehren, trainieren wir sie zum alltäglichen Kampf und sie lernen Neid, Angst, Gier und Vergeltung. 

 

Menschen, ich fordere gar nicht, dass die Welt von jetzt an besser würde, wenn sie nur aufhörte, schlechter zu werden. Wir sind das Volk, aber wir sind auch die Welt. Und so kann die Welt überhaupt nur besser werden, wenn Wir, wenn jeder Einzelne von uns aufhört, sich noch weiter als Krone der Schöpfung, als Beherrscher der Erde und als Vollstrecker und Vollender der Evolution aufzuspielen.

 

Wir hatten Jahrtausende Zeit, uns zu wirklich vernünftigen Menschen zu entwickeln. Wir haben alles gelernt, was man dazu braucht. Es wird Zeit, es anzuwenden. 

 

 

 

31. Oktober 2016

 

Meinung ist vage und flüchtig. Überzeugung entsteht durch Hinterfragung, Widerlegung und Änderung der Meinung. Wer wirklich überzeugt ist, hat seine Überzeugung durch Argumente gewonnen. Somit kann er auch für Argumente offen sein. 

 

Die Meinung ist nur ein Teil der Überzeugung. Es gibt viele Meinungen, die einer individuellen Sicht der Welt entspringen, sich zur Überzeugung verdichten und an ebendieser Überzeugung gemessen werden. Irrtümer, Fehleinschätzungen und Emotionen lassen Meinungen entstehen, die der Überzeugung entgegen stehen, sie in Frage stellen und die, wenn der Betreffende daran festhält, seine Überzeugung unterminieren und pervertieren.

 

Ein Mensch kann überzeugter Vegetarier sein, weil er der Meinung ist, dass die Massentierhaltung ein Verbrechen sei. Er kann auch das Argument vertreten, dass Fleischkonsum krank macht. Aber selbst wenn nachgewiesen würde, dass Fleisch ausgesprochen gesund sei, und auch wenn alle Tiere fortan artgerecht gehalten würden, würde er trotzdem seiner Überzeugung treu bleiben. Vor allem würde er wohl die veränderten Argumente akzeptieren, ohne sie sich zueigen zu machen. 

 

Ein Mensch kann aus Überzeugung Pazifist und Philanthrop sein, weil er meint, dass Krieg niemals eine Lösung sein könne. Möglicherweise meint er, alle Kriege seien im Grunde religiös motiviert. Kommt er später zu dem Schluss, dass die Religion nur vorgeschoben ist und es nur um globale wirtschaftliche, strategische und politische Vorherrschaft geht, bliebe er trotzdem Pazifist. Selbst ein formaler Friedensschluss nach einem Krieg würde daran nichts ändern, weil seine Überzeugung sich ausschließlich am Wohl aller Menschen und dem Erhalt ihrer Lebensgrundlagen orientiert.

 

Wer meint, dass innerstaatliche oder auch internationale Konflikte am Ende nur mit Gewalt gelöst werden können, und dies mit dem Argument begründet, Menschen und Völker unterschieden sich in ihrem Wert, kann zu der Ansicht gelangen, Krieg sei notwendig, um die Ordnung wiederherzustellen. Ist er wirklich davon überzeugt, wird er abweichende Meinungen anhören, reflektieren. Unter Umständen wird er zu dem Schluss kommen, dass alle Menschen gleich sind, und dennoch an der Notwendigkeit des Krieges m Interesse der Ordnung festhalten. Seine Überzeugung bezieht sich auf die Weltordnung. Wer allerdings der Meinung ist, dass es höherwertige und minderwertige Rassen gibt, und davon keinen Deut abweicht, wird jede gegenteilige Argumentation nicht mal widerlegen, sondern nur leugnen und abblocken. 

 

Meinung ist eine Reflexion, Überzeugung ist eine Grundhaltung und Teil der Persönlichkeit. Zu erkennen, dass man seine bisherige Überzeugung nicht länger vertreten kann, ist schmerzhaft und Niemand wird sie leichtfertig preisgeben. Wer das, was er so gerne als sein Credo ausgibt, allzu spontan und leichtfertig zu ändern bereit ist, war dagegen nie wirklich davon überzeugt. Seine wahre Einstellung, wenn es denn eine gibt, bleibt hinter den vorgetäuschten Grundsätzen verborgen. Es ist die Überzeugung, am besten von nichts überzeugt zu sein. 

 

 

 

1. November 2016

 

Worte können streicheln, liebkosen, trösten, sie können aber auch verletzen, demütigen und vernichten. 

 

Machen wir uns in jedem Augenblick bewusst, was wir wann, wie und zu wem sagen? Das wäre wohl reichlich zu viel verlangt. Niemand ist in jedem Moment ganz bei sich. Und oft werden Worte anders aufgefasst, als wir es wollten. Mindestens genauso oft aber sagen wir etwas und merken selbst nicht, was sich dahinter verbirgt. Wird es uns dann gespiegelt, bestreiten wir entrüstet und fühlen uns missverstanden. 

 

All das mag in den meisten Fällen halb so schlimm sein, aber der Grat zwischen einer einfachen Entgleisung und einer gezielten Verletzung ist schmaler, als uns lieb sein kann.    Je mehr uns bewusst wird, wie schwer die Verletzung ist, die wir Anderen zugefügt haben, umso schwerer fällt es uns, uns bloßzustellen. Der erste Schritt ist der schwierigste,  dabei geht es nur um ein kleines Wort. Es ist gleichzeitig Bitte und Erfüllung.
 
Es lautet schlicht:

 

VERZEIHUNG.

 

 

 

2. November 2016

 

JA, ich bin Pazifist, weil ich Krieg verachte. 

 

JA, ich bin Gutmensch, weil ich überzeugt bin, dass kein Mensch von Anfang an schlecht ist. 

 

JA, ich bin Linker, weil ich für soziale Verantwortung stehe. 

 

Und JA, mir ist bewusst, dass einige vermeintliche Realisten und ach so intelligente Zeitgenoss*Innen mich und meinesgleichen als blauäugige Phantasten der Lächerlichkeit preisgeben wollen. Dabei liegt der Forderung nach totalem Frieden -bei mir jedenfalls - eine einzige fundamentale Idee zu Grunde, nämlich die Gleichheit aller Menschen unabhängig von Hautfarbe, Religion, sozialem Status und Bildung. Diesem Ideal folgend sind wir alle Brüder und Schwestern, weil wir alle dem selben Ursprung entstammen.

 

Jeder Versuch einer Unterscheidung, einer Trennung oder Klassifizierung gleicht dem Versuch, die Evolution der Menschheit in zwei oder mehr Stränge zu dividieren, die man dann nach ihrem Entwicklungsstand, ihrer Qualität und damit nach ihrem Wert einordnen könne. Eine solche Hierarchie der Völker und Rassen führt unweigerlich immer wieder zu Konflikten und Kriegen, weil jede Gruppe verbissen versucht, sich gegen die Abwertung durch Andere zu wehren. Dabei wird diese Vorstellung von der Verschiedenartigkeit unter den Menschen überhaupt nicht mehr hinterfragt, geschweige denn angezweifelt.

 

Die Wahrheit ist, dass sich all die verschiedenen Stämme, Völker und Rassen im Laufe von Jahrtausenden über die gesamte Erde verteilt und vermischt haben. Jeder von uns ist also ein Teil von allem. Wenn also ein Volk das andere bekämpft, eine Rasse die andere unterdrückt, so bekämpft und unterdrückt es ausnahmslos einen Teil von sich selbst und leugnet die eigene Geschichte.

 

Aus der Unendlichkeit des Alls betrachtet sind wir Ameisen, deren Unterschiede viel zu klein und unscheinbar sind, um ihnen irgendeine Relevanz beizumessen. Es wäre also so einfach, Pazifist und Gutmensch zu sein, wenn wir damit aufhören würden, nur dem in die Augen zu schauen, auf dessen Füßen wir gerade stehen. 

 

 

 

3. November 2016

 

Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Zu religiös? Okay, also der Mensch ist das am weitesten entwickelte und vernunftbegabte Wesen auf der Erde.

 

M O M E N T ! ! !

 

Der Mensch beutet die Erde gnadenlos aus, bis nichts mehr da ist. 
Der Mensch zerstört die Lebensgrundlagen ganzer Völker.
Der Mensch erfindet Maschinen, die ihn ersetzen sollen. 
Der Mensch treibt den medizinischen Fortschritt an, damit wir älter werden.
Der Mensch produziert Nachwuchs für immer mehr alte Menschen.
Der Mensch versucht die Geburtenrate zu kontrollieren.
Der Mensch treibt den technischen Fortschritt an, der ihn selbst übertrifft.
Der Mensch will der Beste sein und erfindet noch Besseres. 
Der Mensch erfindet Waffen, die unbesehen Millionen Menschen töten können.
Der Mensch erfindet Gesetze und Konventionen, um diese Waffen zu verbieten.

 

Logisch? Klug? Vernünftig? Oder einfach nur absurd?

 

Gleichzeitig Hü und Hott. Mit einem Ruder vorwärts, mit dem anderen rückwärts. Bergab treten, bergauf bremsen. Menschen wollen keinen Krieg, sie wollen aber auch nicht als Pazifisten erkannt werden. Menschen wollen in Frieden leben, aber nicht als Gutmenschen.

 

Kann mir das Einer erklären, ganz einfach, logisch und einleuchtend?  Beschreibt mir einer die eierlegende Wollmilchsau, die man waschen kann, ohne sie nass zu machen

 

 

 

4. November 2016

 

Wir haben nur diese eine Welt. Selbst wenn die bewohnbare Welt immer kleiner und die Bevölkerung immer größer wird, ist diese Welt immer noch groß genug für alle. Und Jeder hat seinen Platz in dieser Welt. Niemand kann ihm seinen Platz zuweisen. Er wird in diese Welt hineingeboren, aber er hat die Freiheit, diesen Platz zu behalten oder zu wechseln. 

 

Die Welt hat keinen Anfang und kein Ende. Sie kann überall, an jedem Punkt beginnen und sie kann am gleichen Punkt enden, ohne dass sie oder der Mensch sich bewegt hat. Das Ende kann neben dem Anfang liegen und Niemand vermag zu beurteilen, welchen Weg der Mensch zurückgelegt hat. Hat er nur diesen einen Schritt getan, um das Ziel nie aus den Augen zu verlieren, oder hat er sich entfernt, um sich aus der entgegengesetzten Richtung wieder zu nähern?

 

Jeder hat die Möglichkeit, in seiner kleinen Parzelle zu verbleiben oder sie zu verlassen. Und es steht im grundsätzlich frei, dorthin zurückzukehren, sie neu zu entdecken oder eine neue Parzelle zu finden. Niemand kann ihm irgendetwas vorschreiben. 

 

Dies ist die Vision von vollkommener Freiheit. Wer an seiner Heimat klebt und sie für sich beansprucht, hat Angst sie teilen zu müssen. Er hat Angst, seine Welt könnte sich verändern, weil er die Welt in ihrer ganzen Größe und Schönheit gar nicht kennt. Die Welt kennt keine Mauern, sie will keine Zäune. Sie beginnt nirgendwo und endet niemals. Sie dreht sich verändert ihr Gesicht und ist doch immer die gleiche. Sie ist überall anders und doch immer gleich. 

 

 

 

5. November 2016

 

Mauern schützen nicht. Mauern trennen. 

 

Fast auf den Tag genau vor 27 Jahren fiel die Mauer, die nicht nur eine Stadt trennte, sondern zwei diametral konträre Systeme. Das Ende dieses "Schutzwalls" war ebenso ein Symbol, wie es die Mauer an sich ebenfalls gewesen war, ein Symbol für die Machtlosigkeit eines Regimes gegenüber seinem Volk. 

 

Es ist wohl schwer zu begreifen, dass mit der überschäumenden Euphorie bereits die ersten neuen Mauern hochgezogen wurden, nicht aus Beton, nicht mit Todesstreifen und Schießbefehl, sondern mit Worten. Es sind Mauern aus Vorurteilen und Hass. Menschen, die sich selbst an den Zustand des Eingesperrt-Seins erinnern oder ihn sich zumindest durch Erzählungen der Eltern vorstellen können, scheinen mit dieser Freiheit nicht umgehen zu können.

 

Freiheit ist untrennbar mit Offenheit verbunden. Freiheit ist nicht nur die Freiheit der Andersdenkenden, sondern auch derer, die sich in ihrer ganzen Lebensweise unterscheiden, in ihren Sitten und Bräuchen und vor allem auch in ihrer Weltanschauung und Religion. Dieser Gegensatz bestand schon innerhalb unseres Volkes und er besteht heute innerhalb Europas. Er besteht nicht nur zwischen den Religionen, sondern auch innerhalb der Religionen. Keine der großen Weltreligionen, die in der westlichen Welt eine bedeutende Rolle spielen, kann für sich beanspruchen, davon nicht betroffen zu sein. 

 

Europa hat ein historisches Beispiel gegeben, wie man Mauern überwindet. Anstatt neue Mauern, sichtbare und unsichtbare zu errichten, könnte es als Beispiel für die Welt auftreten und ein Selbstbewusstsein zeigen, das selbst den härtesten Betonköpfen die Absurdität ihrer Ideologien vor Augen führt. 

 

 

 

7. November 2016

 

Religion vollendet, was Hass allein nicht schafft. 

 

Kein Mensch wird mit Hass im Herzen geboren. Dort sind von Anfang an nur Liebe, Vertrauen und bedingungslose Hingabe. Für ein Kind gibt es von Anfang an Nichts, was diese Fundamente seines Daseins in Frage stellen könnte. Die Perfidität der Religion besteht darin, dass sie das Vertrauen unterminiert, um Liebe und Hingabe auf eine vermeintlich höhere Instanz zu übertragen.

 

Hass und Vorurteile werden instrumentalisiert und in einem ideologischen Gebäude  eingeschlossen. Religion trennt, bindet und herrscht. Liebe verbindet und ist damit für die religiösen Führer nutzlos. Somit kann seitens der Religion gar kein Interesse bestehen, Menschen von Hass, Neid, Rivalität und Feindschaft zu befreien. Vor allem lebt Religion von der Angst der Menschen, die sie geschickt manipuliert, damit Feindschaft letztendlich als der einzige Ausweg aus der Angst erscheint.

 

 

 

8. November 2016

 

Wenn man die Wahl hat, wer von den Kandidaten das geringere Übel ist, müsste man eigentlich Jedem auf die Schulter klopfen, der angesichts dieser Lage zur Wahl geht. 

 

Ich hoffe, dass die Person, die gewinnt, für den Rest der Welt berechenbar sein wird. Die Wahl in den USA ist mehr denn je eine Schicksalswahl für die ganze Welt. Nordkorea, Iran, IS - der Umgang mit ihnen ist umstritten und ich hoffe, dass die Vernunft die Oberhand behält, auch bei den Gegnern und mehr noch bei den Partnern.

 

Ich weiß, dass das ein frommer Wunsch ist, aber was bleibt uns anderes übrig? 

 

 

 

9. November 2016

 

Wenn Demokratie zur Demokratur verkommt, wird der politische Sachverstand von erfahrenen Fachleuten schlicht überflüssig. 

 

Wir erleben gerade etwas, was so gerne als das "postfaktische Zeitalter" bezeichnet wird. Es zählen plötzlich keines Fakten mehr. Politischer Weitblick ist nicht mehr gefragt. Visionen werden in zunehmendem Maße als Krankheitsbild definiert und die vermeintlich einzig wirksame Therapie wird gleich mitgeliefert. Das derzeit gebräuchlichste Rezept in (zumindest nahezu) allen demokratisch organisierten Staaten lautet: "Populismus". Die größte Gefahr bei Anwendung dieses vielbeschworenen Patentrezeptes liegt meines Erachtens in der Verwechslung von Populismus mit Volksnähe. 

 

Franz Josef Strauß, der bestimmt kein Nestor demokratischen Grundverständnisses war, hat auf dem Zenit seiner politischen Laufbahn sinngemäß gesagt, man müsse dem Volk "auf's Maul schauen", ohne ihm nach dem Munde zu reden. Damit hat er etwas konstatiert, was offenbar keiner seiner Erben gänzlich begriffen hat. Vereinfacht könnte man vielleicht sagen, er habe versucht herauszufinden, wie er politische Entscheidungen, deren Komplexität der Durchschnittsbürger selten ganz erfassen kann, der Bevölkerung in deren Sprache vermitteln kann. Seine Nachfolger dagegen - und ich meine das lagerübergreifend - drehen es um. Es geht nicht mehr darum, langfristige und weitreichende Entscheidungen zu treffen und deren Sinn zu vermitteln, sondern das Volk an den Stammtischen und anderswo zu fragen, welche Entscheidungen genehm seien. 

 

Demokratie bedeutet die Einholung der Legitimation zu politischem Handeln durch das Volk. Demokratur hingegen ist die Preisgabe politischer Kompetenz und Legitimation gegenüber der öffentlichen Meinung. Demokratur ist erodierte Demokratie. Dies zeigt sich in erschreckendem Maße in der Abstrahierung der Sprache. Salopp gesagt wird hinter dieser ausgefeilten und massenpsychologisch geschulten Sprache die Sprachlosigkeit verborgen. Niemand will etwas Falsches sagen, also sagt er lieber nichts. Und diese Sprache wird nicht nur ganz pragmatisch eingesetzt, sie wird kultiviert und Jeder versucht sie zu lernen. 

 

Was ist die Lösung? Es gibt nicht diese eine und einzige Lösung. Aber in einem ersten Schritt müssen Politiker ihre Sprache rückübersetzen. Gleichzeitig sind die Bürger*Innen gefordert, ganz vorsichtig Vertrauen zu lernen, dasitzen Verlauf und am Ende komplexer Entscheidungsprozesse Resultate stehen, die nicht allen gefallen, aber der Gemeinschaft am Ende nutzen. Das setzt natürlich voraus, dass die Visionen auch tatsächlich das Volk betreffen. Andernfalls greift eine andere Spielart der Demokratur, nämlich der Protest und im weiteren eine Form der Anarchie, also die Nötigung der Politiker durch das Volk wider besseres Wissen. 

 

Demokratur ist die konkrete Antwort auf abstrakte Demokratie.

 

 

 

11. November 2016

 

Wir sollen uns freuen, dass wir im Frieden leben. Aber womit bezahlen wir diesen Frieden? Und weil wir grade dabei sind, leben wir überhaupt im Frieden?

 

Gut, Deutschland ist seit 71 Jahren mit keiner anderen Nation im Krieg, so wie alle anderen europäischen Länder, zumindest nicht direkt. Wir werfen keine benzingefüllten Champagnerflaschen über die französische Grenze und schon gar keine mit Schampus gefüllten. Aber mal ernsthaft: Leben wir wirklich im Frieden? Haben wir mit den Kriegen in der Welt wirklich garnichts zu tun? Ist Europa der Hort des Friedens, das Elysion in einer, wenn man so will, postbellizistischen, wiedererwachten und gereiften Demokratie, in der die Menschenrechte wie auch die Menschenwürde absolutes Primat jeglichen politischen Handelns sind?

 

In Spanien wurde der blutige Kampf der baskischen Separatisten gegen die Zentralregierung einseitig und äußerst fragil beigelegt. Auch Großbritannien war jahrzehntelang durch den Konfessionskrieg in Nordirland geprägt, der bis heute untergründig schwelt. Auf dem Balkan schließlich ist ebenfalls ein jahrelanger brutaler und grausamer Krieg mit internationaler Hilfe beendet worden. Nach der Implosion des repressiv zusammengehaltenen multiethnischen Staatengebildes Jugoslawien wurden seine Überreste der EU einverleibt. Wirklich liebhaben können sich die Völker dort nach wie vor nicht. Die schlimmsten Kriegsverbrecher sind verurteilt, aber der Geist ist aus der Flasche.

 

Bis vor 27 Jahren verlief durch Europa eine schier unüberwindliche Grenze, die zwei unversöhnliche ideologische Systeme trennte. Dann wurde der Konflikt zuerst mit den Füßen und schließlich vertraglich beigelegt. Belastbare Ideen zur Überwindung von Ressentiments und Vorurteilen zwischen den verschiedenen Völkern, auch zwischen den beiden unterschiedlich gewachsenen Gesellschaften in Deutschland, fanden indes keinen verbindlichen Niederschlag in den Verträgen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Revolution, die zum Ende der Teilung führte, friedlich verlief, während unmittelbar danach die ersten Konflikte aufbrachen.

 

An all diesen Beispielen zeigt sich, dass etwas, das über lange Zeit unterdrückt wird, irgendwann zwangsläufig überkocht. Sei es der Widerstand gegen staatliche Bevormundung und Demütigung, seien es religiöse beziehungsweise ethnische Differenzen oder seien es Enttäuschung und Frustration über falsche Versprechen und geplatzte Träume, in allen Fällen kommen Hass, Neid, Rachegelüste und und das Gefühl von Ohnmacht zutage.

 

Leben wir also wirklich im Frieden oder haben wir es einfach nur durch glückliche Umstände irgendwie geschafft uns zu beherrschen? Immerhin haben die "friedlichen" Staaten sich eine Möglichkeit geschaffen, ihre latente Kriegslüstern zu kanalisieren. Konflikte werden nicht auf dem eigenen Territorium ausgetragen, sondern indem wir anderen Nationen dabei helfen, sich ihrerseits gegen Aggression von außen zu schützen. Diese Strategie ist so sinnlos wie verlogen.

 

Der Krieg in Europa ist nicht beendet, er hat nur die Schauplätze verändert sowohl international militärisch, als auch - nicht minder gefährlich - auf der innerstaatlichen sozialen Ebene. 

 

 

 

15. November 2016

 

Um der autoritären Bevormundung zu entgehen, müssen wir aufhören, uns wie trotzige Kinder zu benehmen.


Nach dem weltweiten Erdbeben, dessen Epizentrum in den USA liegt, dessen Erschütterungen in ihren Auswirkungen unterschiedlich stark zu spüren sind und sein werden, je nach dem wie groß die Angst vor der Einlösung der aberwitzigen Wahlversprechen ist und dessen größte und gefährlichste Nachbeben erst noch zu erwarten sind, tauchen in den rasch geschriebenen Kommentaren immer wieder die Begriffe "autoritär", "liberal" und "neoliberal" auf. Man kann wohl immerhin davon ausgehen, dass gute Journalisten und Korrespondenten neben den Lobeshymnen auf ihren mutmaßlich siegreichen Wunschkandidaten respektive ihre Wunschkandidatin auch einen Plan B in der Schublade hatten. Derart vorbereitet ist die Journaille, zumal die seriöse, bereit und in der Lage, auf jedes Ergebnis seriös und kompetent zu reagieren.

 

Die Unterscheidung zwischen autoritärer und liberaler Führung ist in erster Linie eine politische, aber auch eine ökonomische. Beide Seiten verfechten ihr System als das einzig zukunftsfähige. Das Verhängnis liegt nicht in einem der beiden Systeme an sich, sondern in ihrem Anspruch auf Alleinvertretung. Diese Ausschließlichkeit wird nicht nur von den Verfechtern geltend gemacht, sondern von den jeweiligen Gegnern in ihrer auf sich selbst gerichteten Kurzsichtigkeit und der daraus resultierenden Polemik noch bekräftigt.

 

Die Fronten zwischen beiden Parteien sind verhärtet. Eine der Ursachen dafür ist ein grandioses Missverständnis, nämlich der falsch verstandene und völlig aus dem Ruder gelaufene Liberalismus, der auf der Idee einer konsequenten Deregulierung beruht. Das Zauberwort dafür lautet "Wettbewerb". Das Versprechen dahinter heißt "Wohlstand für Alle". Doch das Primat des Wettbewerbs ist schlechterdings zur Religion, drastischer gesagt zum Wahn verkommen. Jede Form staatlicher Kontrolle wird als diktatorische Gleichschaltung empfunden und bekämpft. Aber macht dieser neue Liberalismus wirklich frei?

 

Der Zustand der Machtverteilung in Deutschland, aber auch im Rest Europas und in den USA hat den Liberalismus eingeholt. Der von Banken und Konzernen entfesselte und von neoliberal getrimmten Regierungen komplett deregulierte Kapitalismus hat die soziale Schere zwar nicht geöffnet, aber eine Entwicklung weg von der sozialen hin zu einer sozial entkoppelten Marktwirtschaft auf die Spitze getrieben. 

 

Liberale Politik sollte von ihrem Ansatz her die vermeintliche oder tatsächliche Bevormundung durch den Staat schrittweise reduzieren. In Wirklichkeit hat sie unter dem Deckmantel eines wohlstandsfördernden Wettbewerbs ein Klima wachsender Konkurrenz geschaffen, große Teile der Bevölkerung quer durch alle Schichten, quer durch alle Millieus gefördert und die soziale Kluft letztlich noch weiter vertieft. 

 

Eine unsoziale, weil neoliberale Klientelpolitik ist gerade dabei, mit großem Erfolg, auf den sie auch noch stolz ist, einen wachsenden Teil der Gesellschaft abzuhängen. Regulierende Einmischung durch den Staat ist geeignet, das soziale Gleichgewicht in den elementaren Belangen der Bürger*innen stabil zu halten. Einer dieser elementaren Belange besteht in den sozialen Sicherungssystemen. Hier brauchen wir keine autoritäre Einmischung, sondern konsequente Führung. Und genau deshalb darf diese Einmischung zuallererst eben nicht autoritär sein. Es geht nicht um Kontrolle um ihrer selbst willen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um Gerechtigkeit, also um das Recht jedes Einzelnen auf soziale und kulturelle Teilhabe. Und diese gerecht angelegten und verteilten Möglichkeiten zur selbstverständlichen Teilhabe Aller an Allem ist DIE Voraussetzung für inneren Frieden.

 

Wir müssen uns von der Vorstellung befreien, dass sich Liberalität und staatliche Kontrolle gegenseitig vollkommen ausschließen. In Wahrheit kann staatliche Kontrolle ein hohes Maß an Freiheit gewährleisten. Gerechtigkeit macht frei. Und es erfordert Behutsamkeit, die Kontrolle weder gänzlich aufzugeben, noch sie auf die Spitze zu treiben. Und es erfordert Konzentration. Wettbewerb mit vorsichtiger Kontrolle, also sozusagen ein Kapitalismus an der langen Leine gewährleistet Freiheit und gleichzeitig Sicherheit. Soziale Gerechtigkeit darf nicht als nachrangiges Ziel gelten, sondern muss vorrangig über allem stehen. Nur so erhalten wir den Frieden innerhalb der Gesellschaft.

 

So paradox es klingen mag, der Staat muss seine Autorität wiedergewinnen und zu dieser Autorität stehen, um nicht autoritär gegensteuern zu müssen. 

 

 

 

16. November 2016

 

Frieden beginnt da, wo auch der Krieg beginnt, in der kleinsten Keimzelle der Gesellschaft. Das ist nicht die Familie, ja nicht einmal der erwachsene Mensch. Es ist das neugeborene Kind. Es ist für alles empfänglich, egal was es ist. Was von den Eltern kommt, ist weder gut noch schlecht. Es ist, was es ist. 

 

 

 

20. November 2016

 

Wie stark ist unser Gewissen und wie schwach kann es werden.

 

Wenn etwas passiert, oder wenn Jemand etwas sagt, was uns zutiefst schockiert, neigen wir dazu, mit Hass zu reagieren. 


Solange ein Kind nicht in der Lage ist, Gut und Böse zu unterscheiden, übernimmt es die Muster seiner Bezugspersonen ungefiltert und wertfrei. Hass wird ebenso als normaler Zustand abgespeichert, wie Liebe. Liebe wird von der elementaren Wesensart, also der angeborenen Eigenschaft in dem Moment zur Regung, in dem zum ersten Mal die Möglichkeit des Gegenteils bewusst wird, wenn das Vertrauen zum ersten Mal verletzt bzw. missbraucht wird. Bei wiederholter und fortgesetzter Verletzung wird diese Regung, die ja verbinden will, schwächer. Doch so groß das Misstrauen auch sein mag im Laufe der Zeit und der entsprechenden Erlebnisse, die tiefe Sehnsucht nach Liebe und Vertrauen bleibt in Jedem von uns, weil sie ohne jede Bedingung als Essenz des menschlichen Wesens angelegt ist. Ohne dieses selbstverständliche Vertrauen könnte ein Neugeborenes nicht überleben.

 

Vertrauen und Misstrauen, Liebe und Hass in ihrer Gegensätzlichkeit sind Regungen, für die es Auslöser und Hemmnisse gibt. Es zählt also nicht mehr nur das, was in uns angelegt ist. Genauso wichtig ist, was einem selbst mit dem eigenen Gewissen vereinbar erscheint. Das Gewissen aber folgt den Erfahrungen und es wird durch Erfahrungen geformt oder auch verformt. 

 

 

 

29. November 2016

 

Mit dem Slogan "ZUKUNFT SICHERN" werden in einer riesigen Imagekampagne junge Menschen hierzulande für die Bundeswehr angeworben.

 

Unsere Jugend ist unser Kapital für die Zukunft. Das sind die Väter und Mütter von morgen, Ingenieur*innen, Ärzt*innen, Jurist*innen, Pfleger*innen, Therapeut*innen, Facharbeiter*innen. Sie sollen das soziale Gefüge zusammenhalten und die Zukunft sichern. Aus dieser Jugend von heute sollen die Eliten von morgen erwachsen. Auf Ihnen ruht unsere Hoffnung und wir hätten gerne eine Garantie oder wenigstens das Versprechen, dass sie unsere Fehler wiedergutmachen oder zumindest nicht mehr wiederholen oder gar verschlimmern.

 

Aber welche Voraussetzungen geben wir Ihnen mit? Welche Werte vermitteln wir Ihnen? Wir reden viel über Nächstenliebe, Bereitschaft zu Reue und Vergebung und über Demut. Die Umsetzung, oder besser gesagt die verklärte Idee einer Umsetzung beschränken wir auf den Sonntag, morgens im Gottesdienst und abends im Herzkino. Im richtigen Leben hat das nichts zu suchen. Da geht es um Konkurrenz, Vorteil, Überlegenheit. Da zählt letztendlich das Recht des Stärkeren, auch wenn wir es noch so vehement beschönigen und verleugnen. Wir fühlen uns überlegen und behaupten, diese Überlegenheit sei durch die Geschichte bestätigt. Aber die Geschichte bestätigt nichts, sie zeichnet nur auf, gnadenlos korrekt und ohne jemals zu werten. Wir warten darauf, dass die Geschichte uns eines Tages Recht geben wird und dass damit das Unrecht, das wir heute begehen, eines Tages gerechtfertigt wird. Doch was wir mit Gewalt und millionenfachem Tod errungen haben und noch erringen werden, wird eben nicht von der Geschichte bestätigt. Unsere Gier, unsere Hybris, unser ganzes zutiefst unmenschliches Verhalten wird nicht durch den weiteren Verlauf der Geschichte, letztendlich also durch die nachfolgenden Generationen bereinigt, sondern durch uns selbst von Generation zu Generation glorifiziert. Rückblickend wird die Geschichte geklittert, um damit der Jugend eine Sinnhaftigkeit des Krieges zu vermitteln, dieses nicht gibt.

 

Ab und an wird uns die Absurdität dieses Versuchs bewusst. Dann versuchen wir das Wort "Krieg" durch andere Begriffe wie " Friedensmission" oder "humanitärer Einsatz und Hilfe zum Wiederaufbau" zu ersetzen. Dies soll den Anschein erwecken, als seien die militärischen Einheiten schlichtend und moderierend tätig. Doch das ist eine Lüge und sie ist deshalb so grausam, weil es überhaupt nicht darum geht, Gesellschaften, Staaten und Regionen zu befrieden, sondern darum, politische Verhältnisse in en jeweiligen Gegenden zu schaffen, die es den führenden Wirtschaftsmächten erlauben, ihre strategischen, politischen und ökonomischen Interessen zu wahren. Es geht nicht darum, diese Länder zu stärken, sondern darum, die politischen und militärischen Kräfteverhältnisse in unserem Interesse auszutarieren. Die Welt wird dadurch nicht sicherer, aber ein kleiner Teil davon, zu dem wir gehören, wird mächtiger und reicher auf Kosten des weitaus größeren Teils.

 

Jeder junge Mensch, der in die Armee eintritt, egal wo, macht sich zum Handlanger in einem globalen kalten Krieg mit wechselnden offenen Herden. Es wird also Zeit, mit der Romantisierung und Glorifizierung vermeintlicher Helden aufzuhören. Wenn sie auch im rechtlichen Sinne keine Mörder sind, so sind (unsere) Soldaten Handlanger und Werkzeuge im nie endenden globalen Masenmord. 

 

 

 

4. Dezember 2016

 

Die Quantifizierung der Welt an sich sowie die Quantifizierung aller Werte und deren allgemeine Verfügbarkeit hat zum Einen die alte soziale Hierarchie gesprengt, zum Anderen jedoch eine völlig neue geschaffen. Vor dieser sozioökonomischen Wende hatte zumeist der die meisten Güter, der den höchsten gesellschaftlichen Status hatte. Diese Hierarchie wurde gekippt. Plötzlich hatte der das höchste Ansehen, der die meisten Güter besaß. Und das waren nicht mehr zwangsläufig nur die, die auch vorher am meisten hatten. Diese Umschichtung war nicht zuletzt dadurch möglich geworden, dass die Bildung vom sozialen Status entkoppelt wurde. Höhere Bildung war nicht mehr denen vorbehalten, die es sich leisten konnten, sondern sie wurde und wird allen ermöglicht, die die Fähigkeiten dazu besitzen.

 

Es ist schlichtweg beschämend zu beobachten, dass gerade die, die die Vorteile dieses Bildungssystems erfahren und davon maßgeblich profitiert haben, genau das wieder ändern wollen. Akademische Ausbildung soll wieder vermarktet werden. Aus einem kostenfreien und grundsätzlich für Alle offenen Gymnasium wird man nun auf den Markt geworfen. Bildung wird zur Ware, die dem zum Kauf angeboten wird, der sie sich leisten kann. Für alle Anderen, die nicht dazu in der Lage sind, wird ein zweiter Markt geschaffen. Dieser gibt als Maßstab vor, dass der die besten Chancen hat, einen Beruf mit einem hohen Grad an Qualifikation zu erlernen, der einen höheren bzw. hohen Schulabschluss vorweisen kann. Somit hat sich aus der breiten Schicht der nach unten Abgekoppelten ein erheblicher Teil nach oben abgekoppelt. All die, die im falschen Waggon sitzen, haben immer weniger Chancen, eine Position in der Gesellschaft zu erringen, die Ihnen erlaubt, am allgemeinen Wohlstand teilzuhaben.

 

Wir haben es also mit zwei sozusagen neofeudalistischen Phänomenen zu tun. Einerseits werden die Bestrebungen verstärkt, das alte Verständnis von Elite wiederherzustellen. Sozialer Status ist danach abhängig von der ökonomischen Kondition. Andererseits wird versucht, für die subelitären Schichten wiederum eine Pseudoelite zu schaffen, um wenigstens im Windschatten der nach eigenem Verständnis einzig wahren Elite wenigstens die Illusion einer höheren Wertigkeit zu erhalten. In Wirklichkeit hängen sie atemlos in der Abgaswolke derer, die nichts weniger wollen, als von einer Konkurrenz getrieben zu werden. Die sozioökonomische Oberschicht erfindet immer neue Parameter, immer neue Ebenen, um sich von allen Anderen abzuheben. Ein Beispiel sind die sogenannten Eliteuniversitäten, ein anderes das Horten von Auslandssemestern an renommierten Universitäten überall auf der Welt. Gleichzeitig versucht die intellektuelle Mittelschicht, Berufe, die bisher allen offen standen, zu akademisieren. In der Folge werden diese Berufe zwar erst einmal scheinbar aufgewertet, durch die Abkoppelung der geringer Qualifizierten jedoch entsteht wieder eine neue Unterschicht.

 

Der letzte Schritt in dieser wahnwitzigen vertikalen Kategorisierung der Gesellschaft ist schließlich die Ersetzung derer, die am Ende als Letzte abgekoppelt wurden, durch automatisierte Entwicklungs- und Arbeitsprozesse. Und am Ende dieser Entwicklung steht die Renaissance des alten Feudalismus im modernen Gewand. 

 

 

 

17. Dezember 1016

 

Was ist uns die Einheit wert, die Einheit der Welt? Was ist sie uns wert in dem Bewusstsein, dass es eben nur diese eine Welt gibt?

 

Nicht nur die Europäische Union befindet sich in Auflösung, sondern auch die Vereinten Nationen. Beide Organisationen wurden gegründet aus der Erfahrung zweier Weltkriege heraus. Die Idee kam aus der Erkenntnis, dass durch die politische Annäherung gegenseitiges Vertrauen entsteht. Und die Geschichte der vergangenen 71 Jahre hat dieser Gründungsidee recht gegeben. Aber noch viel profaner ist die vorrangig wirtschaftliche Motivation. Beide, politische wie wirtschaftliche Erwägungen haben letztlich dazu geführt, dass wir hier in Europa zwischen ehemaligen Erzfeinden die längste Friedensperiode der Geschichte haben. Jahrzehntelang wurden nationale Interessen dem hohen Ideal einer friedlichen Welt untergeordnet. Trotz aller Startschwierigkeiten, Missverständnisse und trotz eines von Anfang an bestehenden Misstrauens war es möglich, Europa zur führenden Wirtschaftsmacht zu machen mit Deutschland als zeitweiligem Exportweltmeister in der Mitte. Auch die UNO mit all ihren Organisationen hat ihren - wenn auch bescheidenen - Teil dazu beigetragen, alte Gräben zu überwinden und auch mal erbitterte Gegner an den Verhandlungstisch zu zwingen.

 

Das alles steht nun auf der Kippe. Plötzlich kochen längst überwunden geglaubte nationale Egoismen wieder hoch. Die Angst vor dem Verlust an Einfluss und mehr noch vor dem Verlust an Eigenständigkeit hat den Boden, auf dem das historisch einmalige Projekt Europa gewachsen ist, vergiftet und damit seinen Zerfall eingeleitet. Und die Vereinten Nationen? Nach der Implosion des Warschauer Pakts, während ein Teil der alten Welt mehr oder weniger paralysiert den Zusammenbruch aller inneren und übergreifenden Systeme beobachtete, versuchten die Sieger in dieser Runde der Geschichte sich der Konkursmasse zu bemächtigen. Alte Herrschaftsansprüche werden zur Disposition gestellt, aber nicht von den betreffenden Ländern selbst, sondern von den vermeintlichen Siegern. Der kalte Krieg schien entschieden. Aber er war es nie und er ist heute unentschiedener denn je.

 

In Europa wachsen nationalistische Bewegungen, die sich in völliger Geschichtsvergessenheit und nationalchauvinistischer Dummheit, die sie besonders dreist als Patriotismus ausgeben, an das Wenige klammern, was sie haben, weil sie keine Ahnung davon haben, was sie besitzen könnten, wenn sie sich offen und neugierig auf das Neue, das Unbekannte einließen. Die Regierungen wiederum haben nicht so sehr Angst vor der Zukunft. Dazu fehlt ihnen die Vorstellungskraft. Vielmehr haben sie offensichtlich Angst vor der eigenen Gestaltungsmacht. Sie haben keine Vorstellung von den Geistern, die sie möglicherweise rufen. Sie haben Angst vor der sich entwickelnden Dynamik, die ihnen letztlich über den Kopf wachsen könnte. Was machen sie also? Sie halten sich - wie der Bauer, der nicht frisst, was er nicht kennt - an das bereits Erlebte, und wenn es noch so schlimm war. Und auch weltpolitisch halten sie sich an die alten und längst überkommenen Muster, an die Feindbilder, die Klischees, die Legenden.

 

Große Nationen streiten um die richtige Strategie, um einen Krieg zu beenden. Jeder von ihnen verfolgt dabei ausschließlich seine eigenen geostrategischen und geopolitischen Interessen und dabei sehen sie zu, wie unvermindert Städte ausgebombt, Völker ausgerottet und Kulturen atomisiert werden.

 

Was wollen wir? Wollen wir dabei zusehen, wie die Vision von Frieden und Humanität zur Lachnummer verkommt? Wollen wir weiterhin zusehen, wie Nationen sich gegenseitig zerfleischen, anstatt sich zu verbinden? Ist diese großartige Vision von Frieden und Humanität wirklich so weltfremd und naiv, dass wir uns ihrer schämen müssen?

 

NEIN!!! Frieden und Humanität sind kein frommes Weihnachtsmärchen. Wenn überhaupt, dann müssen wir uns unserer Unfähigkeit schämen, unsere Intelligenz zur Verwirklichung dessen zu nutzen, was uns Menschen ausmacht.

 

Humanität ist kein Mittel zum Zweck. Humanität ist der Zweck an sich und er muss wieder der Zweck all unseres Handelns werden im Kleinen, wie im Großen.

 


 

20. Dezember 2016

 

Wie sollen wir auf Terror reagieren? Gibt es überhaupt die eine angemessene Reaktion?

 

Die einzig angemessene emotionale Reaktion ist Trauer. Wir sind bestürzt, geschockt, ratlos, wütend. Und während auf dem Breitscheidplatz Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet werden, während in der Gedächtniskirche unmittelbar neben den dem Tatort Menschen um Fassung ringen und sich weinend in den Armen liegen, werden von verschiedenen Seiten bereits die ersten "Maßnahmen" für noch mehr Schutz, noch mehr Sicherheit und letztlich noch mehr Überwachung erörtert.

 

Abgesehen davon, dass sich einige der politisch Verantwortlichen keiner Instinktlosigkeit entblöden und dass das Leid Hunderter für kurzsichtige machtstrategische Spielchen missbraucht wird, müssten wir doch bereits nach kurzem Hinsehen erkennen, dass all diese Ideen, wie auch all die konkreten Maßnahmen zum Einen alles andere als neu sind und dass sie zum Anderen in keinem einzigen Fall erfolgreich waren. Die Tatsache, dass wir, nach welchem Anschlag auch immer, von Folgetaten verschont geblieben sind, ist doch in der Hauptsache nicht den verschärften Sicherheitsmaßnahmen zu verdanken. Es ist einfach nichts mehr passiert, bis zum nächsten dann völlig anders organisierten Attentat. Tatsache ist, dass ein vereitelter Terrorakt, ein verhinderter Amoklauf oder ein rechtzeitig erkannter Anschlagsplan zwangsläufig hypothetisch bleibt, da wir in keinem dieser Fälle mit absoluter Sicherheit wissen, wann, wo und wie eine solche Tat stattgefunden hätte. Eine so gesehen relativ abstrakte Gefahr wurde beseitigt, konkrete Angriffe konnten letztendlich nicht verhindert werden.

 

Natürlich müssen wir auf jegliche Form von Terror adäquat reagieren, es zumindest versuchen. Aber wie auch immer eine solche Reaktion ausfällt, sie führt nicht zum Ziel vollkommener Sicherheit. Sie kann höchstens ein subjektives Gefühl verminderter Angst vermitteln, mehr aber auch nicht. Ängste lassen sich nicht kategorisieren, Hass lässt sich nicht in irgendeiner Skala verbildlichen. Wie also soll man reagieren?

 

Das Problem liegt viel tiefer und es ist so alt wie die Menschheit, seit sie begann, sich sozial zu organisieren. Es besteht darin, dass wir die Unterschiede definieren und festschreiben, anstatt die Gemeinsamkeiten zu erkennen. Gruppen organisieren sich seit jeher anhand ihrer Gemeinsamkeiten und grenzen sich untereinander durch offensichtliche Unterschiede ab. So tun es Kontinente untereinander, auf Ihnen wiederum Nationen, darin Volksgruppen, in ihnen dann Städte, Dörfer, Familien.

 

Was wir nie gelernt haben, aber dringend lernen müssen, ist die grundlegende Gesetzmäßigkeit eines lebendigen Organismus. Wir leben in einer riesigen und stetig wachsenden Weltgemeinschaft. Und so, wie ein Individuum mehr ist als die Summe seiner einzelnen Organe, so ist die Weltgemeinschaft mehr als die Summe aller Völker, Staaten und politischen Systeme. Ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze kann nur leben, wenn alle Komponenten des Gesamtsystems möglichst reibungslos und kontinuierlich zusammenarbeiten und - und das ist vielleicht das Wichtigste - sich gegenseitig ergänzen und unterstützen. Wenn eines dieser Organe versagt oder entgleist, wird der Organismus krank.

 

Der große Organismus Welt ist krank, weil seine einzelnen Teile, seine Organe nicht richtig zusammenarbeiten. Krieg ist das Krebsgeschwür dieses kranken Weltkörpers. Ich bin überzeugt, dass dieses Krebsgeschwür im Gegensatz zum individuellen Krebs hundertprozentig heilbar ist. Wir können es nicht einfach ausschalten, durch welche Maßnahmen wir es auch immer versuchen. Der Heilungsprozess dauert Generationen, vielleicht Jahrhunderte, aber er gelingt, wenn wir dieses allem Leben immanente Gesetz erkennen, verstehen und akzeptieren.

 

Wir haben es in der Hand. Wir haben Verstand, Vernunft und Liebe. Sie sind Hirn, Lunge und Herz des großen Organismus. Wir können den Krebs besiegen, aber nicht mit Gift und Strahlen. Besiegen wir Krieg, Elend und Not - nicht mit Waffen, sondern mit dem, was wir tief in unserem Inneren längst wissen.

 

Wir haben es in der Hand. Krieg ist heilbar. 

 

 

 

27. Dezember 2016

 

Wie soll jemand lieben, der nur Hass kennt?
Wie soll er denen, die er zuhause verachten durfte, ja hassen musste, plötzlich mit Respekt begegnen?
Hat nicht einer, der im Bombenhagel um sein Leben gerannt ist, Angst vor der Stille?
Wie soll Jemand vertrauen, der jahrelang nur Angst erlebt hat?
Wo fühlt sich ein Mensch zuhause, der immer nur geflüchtet ist?
Was erwarten wir, die wir friedlich und sicher leben können, von denen, die gar nicht wissen, wie sich das anfühlt?

 

Jedes Volk hält seine eigene Kultur, seine Staatsform, seine Rechtsordnung, seine etablierte Religion für der Weisheit letzten Schluss. Der eigene Wohlstand erscheint verdient und gottgegeben. Jeder Bürger genießt das ungeschriebene Privileg eines festen Platzes in der Gesellschaft. Und weil diese Behaglichkeit gottgegeben und somit hochverdient erscheint, darf er sie auch verteidigen, ja er muss sie geradezu vor allen Gefahren von außen beschützen. Dabei sind diese Gefahren abstrakt und es ist grotesk, dass die Angst vor einer vermeintlichen Gefahr um so mehr wächst, je abstrakter und diffuser die Bedrohung ist. Am größten ist die Angst dann, wenn ihr Gegenstand gar nicht mehr greifbar und ebensowenig sichtbar ist. 

 

Während wir also Angst vor Flüchtlingen haben, einer Gefahr, die nur in unserer Vorstellung existiert, und die wirklichen Gefahren verdrängen, indem wir die Hilfesuchenden hinausdrängen, lassen politisch Verantwortliche all die, die wirklich in Not und Gefahr sind, zynisch lächelnd im Stich. Satte Bürger zelebrieren das Lamento ihrer behäbigen Unzufriedenheit und verhöhnen diejenigen als wehleidig, die wirklich leiden. 

Wir haben die Chance zu lieben.
Wir haben die Chance, uns gegenseitig mit Respekt zu begegnen.
Wir können in der Stille Kraft und Ruhe finden.


Wir haben die Chance, Vertrauen zu wagen, ohne leichtgläubig zu sein.
Wir wissen, wie sich Glück anfühlt.

 

Wir haben alle Möglichkeiten, die, die all das nicht kennen, einzuladen. Aber wöir sollten uns nicht wundern, wenn sie misstrauisch sind. Wir selbst haben zu viele Einladungen ausgeschlagen. 

 

 

 

2. Januar 2017

 

Gibt es einen Unterschied zwischen einem sauberen und einem schmutzigen Tod?

 

Immer wieder wird uns von Medien und politischen Technokraten vorgegaukelt, es gäbe einen Unterschied zwischen einem gerechten, weil notwendigen und einem ungerechten, also zwischen einem sauberen und einem schmutzigen Krieg. 

 

Ich finde es grenzenlos zynisch und menschenverachtend, auch nur die bloße Möglichkeit eines humanen Krieges zu propagieren. Dass Konventionen geschaffen wurden, die die Zivilbevölkerung schützen sollen, ist ein Widerspruch in sich und beweist geradezu die Unmenschlichkeit des Krieges. Ein Krieg hat immer die Vernichtung von Zivilisten zum Ziel. Es ist grotesk zu denken, man könne sie schützen. Jede Form von bewaffnetem Konflikt war, ist und wird immer schmutzig und unmenschlich sein. Die Zivilbevölkerung ist das Faustpfand aller Kriegsparteien. Es ist eine Illusion zu glauben, man könne sie heraushalten und den Kampf allein auf die Streitkräfte beschränken. 

 

Je besser die Waffen werden, desto unberechenbarer werden sie für die Bevölkerung und desto subtiler wird die Bedrohung. Der ferngesteuerte Krieg wird durch die Anonymität nicht sauberer, sondern im Gegenteil schmutziger und unmenschlicher.

 

Den Eltern, den Frauen, Männern und all den Kindern ist es egal, ob ihre Familien sauber oder schmutzig, gerecht oder ungerecht getötet wurden.

 

 

 

15. Januar 2017

 

Die Kunst des Krieges besteht darin, die Perfidität der Führer mit dem Fanatismus des Volkes zu verbinden. Der Perfide sieht genau, der Fanatiker ist blind. Und er tut das, was der Führer befiehlt im Vertrauen auf dessen vermeintliche Klugheit. Auch die eigene Blindheit bleibt dem Blinden unsichtbar.

 

 

 

 

22. Januar 2017

 

 

Dummheit und Wahnsinn sind nicht strafbar, aber sie sind mitunter gefährlicher als jede ausgeklügelte militärische Zerstörungstaktik.

 

Dummheit und Wahnsinn sind nicht durchschaubar. Ihre explosiven Ausbrüche sind nach menschlichen Maßstäben nicht nachvollziehbar. Sie sind nicht wirklich logisch. Die Folgen ihres Handelns lassen jeden mitfühlenden Menschen fassungslos und traurig zurück.

 

Dummheit und Wahnsinn schließen jede Empathie und jegliche soziale Kompetenz von vornherein aus, da sie sich selbst als Maßstab sehen. Die Dummheit sieht sich selbst als normal, der Wahnsinn erklärt die Vernunft zur Dummheit.

 

Dummheit und Wahnsinn verstecken sich hinter einfachen Worten, die mutig erscheinen, weil sie aggressiv und anklagend vorgetragen werden.

 

Die Dummheit sucht den Geist im Wahnsinn. Der Wahnsinn findet sein Gutes in der Dummheit. Wo sich Dummheit und Wahnsinn vereinen, entsteht Gier. Treibende Kraft ist dabei nicht vorrangig die Gier nach Geld und Besitz. Was aus dem Wahnsinn erwächst und immer mehr in den Wahnsinn treibt, ist die Gier nach Macht.

 

Die Dummen sind die wichtigste Unterstützer der Wahnsinnigen. Wenn der Wahn über die Vernunft siegt, gibt es nichts mehr, was die Zerstörung aller sozialen Gefüge aufhalten kann. 

 

 

 

31. Januar 2017

 

 

Ich bin ratlos. Und ich gebe zu, ich habe Angst. In den USA regiert ein Psychopath, der um sich herum alles und jeden zu vernichten bereit ist, der nicht sein Lied von Größenwahn und Hass mitsingt.

 

Und so viele Menschen jubeln ihm zu.

 

In der Türkei ist ein rechtskräftig zu lebenslangem Politikverbot verurteilter Fanatiker dabei, eine säkulare Demokratie in eine gnadenlose Diktatur zu verwandeln.

 

Und so viele Menschen jubeln ihm zu. 

 

Hier in Deutschland, ja in ganz Europa gibt es immer mehr Menschen, die zu vergessen scheinen, was Frieden bedeutet. Frieden bedeutet Gleichheit, Brüderlichkeit, Menschlichkeit. Frieden kennt keine Grenzen und bestehende Grenzen reißt er nieder. Statt dessen ziehen Menschen Gräben, bauen Mauern. Das Erbe der Aufklärung wird verraten, Humanismus verkommt zur Farce und am Ende stehen Fanatismus, Egoismus und Hass.

 

Im Land der Dichter und Denker, im Land der großen Humanisten, in der Wiege der Menschenrechte wird das Erbe der Mütter und Väter bespuckt und Menschen applaudieren. 

 

Ich verstehe es nicht. Nein, ich will es nicht verstehen.

 

 

 

3. Februar 2017

 

Wo beginnt die Welt und wo hört sie auf? An welchem Ende fing alles an? Wo ist das bessere Ende? Oder liegt das Beste in der Mitte?

 

Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Die Mitte ist demnach also überall. Aber ist sie das wirklich? Wir sind sehr konsequent darin, Anderen deren Mitte zu nehmen und sie an den Rand zu drängen.

 

Es gibt nur einen Weg heraus aus der Ungleichheit. Wir müssen blind werden für das Äußere eines Menschen. Wir müssen taub werden für den Klang der Sprache. Wer nur die Oberfläche bestaunt, wird nie wirklich staunen. Wer sich in den Klang verliebt, dem bleibt die Stimme verborgen.

 

Wir denken von oben nach unten. Es wird also niemand abgehängt. Wir lassen ihn schlicht fallen. Ob wir es jemals schaffen, das vertikale Denken umzuwerfen, weiß ich nicht. Aber wenn wir es nicht versuchen, werden wir es nie erfahren.

 

 

 

5. Februar 2017

 

 

Was ist uns die Demokratie wert? Was sind uns Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wert? Was gibt es, wofür es sich lohnt, all das auf’s Spiel zu setzen?

 

Jeder von uns trägt in sich die Vorstellung, quasi die Illusion von Wohlstand und Sicherheit als elementaren Teil unseres Lebens. Humanistische Werte stehen in Konkurrenz zu Wohlstand und Sicherheit. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, also die Werte der Aufklärung werden dabei letztlich nur abstrakt gesehen, während das Bedürfnis nach Wohlstand und Sicherheit als greifbare Ziele definiert werden können. Die Bereitschaft, das Eine für das Andere zu opfern, geht ganz klar in eine Richtung und es ist offenkundig, in welche.

 

Solange die Menschen in der Illusion von Wohlstand und Sicherheit leben können, ja solange wir an die schiere Möglichkeit dieser Sicherheiten glauben dürfen, verliert der humanistische Wertekanon dramatisch an Bedeutung.

 

Die Utopie der Aufklärung ist in Verruf geraten. Sie ist eine vorwärtsgewandte Utopie, aber gerade deshalb ist sie abstrakt, während die retrograde Utopie, also die nostalgische Sehnsucht nach der Rückkehr in den sicheren Schoß, das Narrativ für die Gestaltung der Zukunft darstellt.

 

Wer eine Utopie hat, sollte nicht zum Arzt gehen, weil der Arzt zumeist gar keine Ahnung hat, worum es wirklich geht.

 

 

 

9. Februar 2017

 

Das waren noch Zeiten, als die Welt klar in Gut und Böse aufgeteilt war. Plötzlich fing der Böse an, gut zu werden. Und die wirklich Bösen erklären sich selbst zu den Allerbesten und trampeln alles um sich herum nieder. Sie definieren "Gut" und "Böse". Und sie tun dies nicht nur für sich selbst und ihresgleichen, sondern für den Rest der Welt.

 

Aber die Guten sind nicht irgendwann mir nichts dir nichts böse geworden, ebensowenig wie die Bösen plötzlich von einem Engel heimgesucht wurden. Niemand ist nur böse und niemand ist nur gut. Im Tao wird dies sehr deutlich symbolisiert im Bild von Yin und Yang. Im großen Yin ist ein Pünktchen Yang und umgekehrt. Sieht man dieses Symbol als rotierende Scheibe, verschwimmen die Konturen und die Grenzen werden diffus.

 

Unsere Erde ist rund und die dreht sich rasend schnell. Und so verschwimmen auch hier die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß, zwischen den Religionen, den Systemen, letztlich eben auch zwischen Gut und Böse. Klare Grenzen gibt es nicht mehr. Alles ist in allem. Friede wird aggressiv gefordert und verteidigt. Alte Grenzen werden aufgelöst, um neue zu ziehen. Alles wird aus der Mitte hinaus zentrifugiert, um noch diffuser wieder in die Mitte gedrängt zu werden. Es ist nicht nur ein Kreislauf um die innerste Achse, sondern es sind unendlich viele verschwommene, in sich und ineinander strudelnde Kreisläufe zwischen der Mitte und einem endlosen Raum.

 

Die Welt war niemals klar in Gut und Böse getrennt. Die Frage ist, ob wir es schaffen, im Bösen das Gute, also auch im großen Yang das Pünktchen des Yin zu bleiben.

 

 

 

16. Februar 2017

 

Ich bin 17 Jahre nach Kriegsende geboren, ein Jahr nach dem Bau der Mauer. Diese Teilung dauerte 28 Jahre. Seit 27 Jahren ist unser Land wiedervereinigt.

 

Seit 72.Jahren herrscht Frieden in Europa zwischen den alten Feinden. Gräben wurden überwunden, Mauern geschleift, Wunden geheilt. Die Gründung der Montanunion 1951 und schließlich der Élysée-Vertrag von 1963 schufen ein neues Europa und sind Grundlage für ein historisch beispielloses Friedensprojekt.

 

Wir haben eine Währung, ein Parlament, grenzenlosen Austausch. Wir können voneinander lernen, anstatt uns gegenseitig auszuschließen. Konkurrenz führt nicht mehr zu Zerstörung und Gewalt, sondern zu Fortschritt und Wachstum. So ist es zumindest gedacht. Auch wenn vieles noch nicht so ist, wie es einst erdacht wurde, so haben wir doch eines erreicht, 72 Jahre Frieden. Wir könnten also stolz sein, mutig und zuversichtlich.

 

Statt dessen? Hass, Neid, Angst. Es ist so armselig, wie all das Gute und all die Hoffnung auf's Spiel gesetzt werden. 

 

 

 

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